LETZTER BEITRAG
Weltgerichte als Hinterglasmalerei, überwiegend Rumänien (19. Jh.)
Die Hinterglasmalerei kam im 19. Jahrhundert über Bayern und Niederösterreich nach Rumänien, vor allem in die Landesteile, die damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörten. Hier in Rumänien wurde vor allem das Weltgericht gerne als Thema herangezogen,

Paula Jordan (1896-1986): Kinderbibel (1954)
Ein frühes Beispiel für ein Himmlisches Jerusalem in einer Kinder- bzw. Jugendbibel ist die Publikation „Schild des Glaubens. Geschichten der Bibel Alten und Neuen Testaments“, aufgelegt im Jahr 1941, damals noch ohne Illustrationen. Diese findet man erstmals in einer Ausgabe der Evangelischen Verlagsanstalt von 1954 auf der Seite 349. Die

Jan Luyken (1649-1712): „Die breite und die schmale Pforte“ (1712)
In seinem Todesjahr erschien 1712 in Amsterdam Jan Luykens (1649-1712) „De Schriftuurlyke Geschiedenissen en Gelykenissen Van het Oude en Nieuwe Verbond“ (zu Deutsch „Die biblischen Geschichten und Gleichnisse des Alten und Neuen Bundes“). Der zweite Teil dieser Historienbibel bringt auf Seite 433 die Tafel 27 zu diesem Thema nach dem

Gregorius Perlitius: Leichenpredigt (1589)
Auch wenn Luther der Apokalypse etwas indifferent gegenüber stand, so war doch das Motiv des Himmlischen Jerusalem in der lutherischen Alltagswelt bald fest verwurzelt. Die Wirkmächtigkeit dieser christlichen Utopie war einfach zu groß. 1588 verfasste der Prediger Gregorius Perlitius anlässlich des Todes von Hieronymus Stephan aus Lübben (Spree) eine Leichenpredigt,

Meister d: Metallschnitt (um 1500)
Dieser seltene Metallschnitt aus Österreich entstand um 1500 und befindet sich heute in der Grafischen Sammlung des Benediktinerstifts Seitenstetten (Niederösterreich), ein anderes Exemplar hat sich in der Französischen Nationalbibliothek in Paris erhalten. Der Metallschnitt hat eine Größe von lediglich 30 x 20 Zentimetern. Das Himmlische Jerusalem ist hier in Form

Katholisches Zweiwegebild aus Paris: „Grandes images catholiques“ (1861)
Um etwas gegen die erfolgreichen protestantischen Zweiwegebilder, wie etwa „Der breite und der schmale Weg“, zu unternehmen, wurde von dem Jesuitenpater Charles Lacoste 1861 in Paris ein großformatiger Kunstband herausgebracht. Der teuere Prachtband mit dem Titel „Grandes images catholiques“ beinhaltete zahlreiche Zweiwegebilder und brachte diese explizit mit römisch-katholischer Frömmigkeit in

Gedichtband „Mirantische Maul-Trummel“ (1694)
Im Jahr 1694 erschien in Konstanz erstmals die „Mirantische Maul-Trummel“. Hinter dem Werk mit dem ungewöhnlichen barocken Titel verbirgt sich eine Dichtung des Laurentius von Schnüffis (1633-1702). „Mirant“ ist dabei ein Anagramm des bürgerlichen Namens des Laurentius von Schnüffis, der eigentlich „Martin“ heiß. So wird der Titel als „Martins Maultrommel“

Maria Immaculata aus der „Historia general del Peru“ (1617)
1617 erschien, mit Privileg des spanischen Königs, die „Historia general del Peru“ des Geschichtsschreibers Inca Garcilaso de la Vega (1539-1616). Die Gesamtgeschichte Perus wurde posthum in Cordoba (Spanien) bei Andres de Barrera in den Druck gegeben. Vega war 1591 aus Südamerika hierher gekommen, wo er sich seinen literarischen Arbeiten widmete.

Monogrammist „H. S. mit dem Kreuz“: Glaubensburg (1514)
Das Motiv des belagerten Himmlischen Jerusalem findet sich vor allem in der Frühen Neuzeit, und es wurde populär über Ecclesiae-Darstellungen des frühen 16. Jahrhunderts. Eine der ersten Darstellungen ist „Typus Ecclesiae“. Sie wurde von dem Monogrammisten „H. S. mit dem Kreuz“ entworfen. Das Monogramm wird in vielen Schriften von dem

Hans Burgkmair (1473-1531): Neues Testament (1523)
Hans Burgkmair (1473-1531) steht stilistisch deutlich unter dem Einfluss Dürers, bei dem er gelernt hatte. Sein Wirkungsort war Augsburg, das langsam zu einer Kunstmetropole aufstieg. 1523 fertigte auch er einen Holzschnitt zur Apokalypse an, eine freie Nachschöpfung der Apokalypse-Illustrationen aus der Werkstatt von Lucas Cranach zu Luthers Bibelübersetzung von 1522.

R. S.: Pilgrim’s-Progress-Interpretation von 1930
Diese filigrane Blauzeichnung stammt von seiten der Adventisten, die zu der populären Geschichte von Pilgrim’s Progress des John Bunyan aus dem 17. Jahrhundert schon immer einen besonders innigen Bezug hatten. Die annähernd symmetrisch aufgebaute, imposante Stadt erhebt sich über Wolken, eine Symphonie in gotischen Formen. Unten zeigt sich ein massives

Karl Engler (1874-1923): „Das himmlische Jerusalem“ (1926)
Karl Engler (1874-1923) ist der Verfasser des Buches „Das himmlische Jerusalem und die neue Erde“, eines missionarischen Werkes über die Ereignisse der Endzeit. Es lag nahe, bei diesem Titel das Himmlische Jerusalem auf das Buchcover zu bringen. In expressionistischer Ausdruckskraft schieben sich zahlreiche Bauten pyramidal nach oben. An der Basis

Clarence Gray Parker (1847-1910): „Song Life for Sunday Schools“ (1872)
Das Buch „Song Life for Sunday Schools“ („Lieder des Lebens für die Sonntagsschule“) wurde von dem US-amerikanischen Verleger Philip Phillips im Jahr 1872 in New York herausgebracht. Es ist ein Notenbuch speziell zu John Bunyans Roman „Pilgrim’s Progress“ mit zahlreichen Liedern, die vor allem im Text auf den Roman Bezug

Anonyme Illustrationen aus John Bunyan: Pilgrim‘s Progress (20. Jh.)
Auch im 20. Jahrhundert gibt es eine ganze Zahl von Illustrationen zu „Pilgrim’s Progress“, deren Urheber wir nicht namentlich kennen. In größer Zahl als in den Jahrhunderten zuvor sind es jetzt farbige Cover-Abbildungen, zunehmend auch Schutzumschläge. Mit den anonymen Kupferstichen der Jahrhunderte zuvor können sie in der Qualität nicht konkurrieren;

James White (1821-1881): Fassungen „The Way of Life from Paradise Lost to Paradise Restored“ (1874, 1876)
In den frühen 1870er Jahren zeigte Dr. Merrit G. Kellogg dem Adventisten-Mitbegründer James White (1821-1881) eine Skizze, deren Künstler nicht namentlich bekannt ist. White gefiel diese Zeichnung außerordentlich, da hier zentrale Aussagen des christlichen Glaubens in ein Bild gebracht wurden, das für die Gemeinschaft der Adventisten zentral wurde. Das Bild

H. Waren und S. Mayson: Pilgrim’s Progress, Ausgabe 1859
In London erschien im Jahr 1859 eine Neuausgabe von John Bunyans Bestseller „Pilgrim’s Progress“ mit einem Frontispiz, welches wieder einmal den Pilger beim Träumen vom Himmlischen Jerusalem zeigt. Dieses erscheint über seinem Haupt in den Wolken. Der Künstler bzw. die Künstlerin dieses Stiches war ein oder eine H. Waren, der/die

Conrad Meyer (1618-1689): Übungsblatt (um 1630)
In der Kunstsammlung der Universität Göttingen hat sich ein Kupferstich erhalten (Inventarnummer: D 5310). Es ist kein Einzelstück, sondern gehört zu einem Apokalypsezyklus, deren Auflagenhöhe und Zweck wir nicht kennen. Man darf aber vermuten, dass der Druck für eine geplante

Peter Valentin Feuerstein (1917-1999): Fenster „Glaube, Auferstehung und Erlösung“ in der Kirche St. Johannes der Täufer in Oelde (1974)
Die römisch-katholische Hauptkirche von Oelde hat den Namen St. Johannes, bezieht sich aber auf Johannes den Täufer. Gleichwohl hat man auf den Glasfenstern dieser Kirche immer wieder Motive aus dem Buch der Johannesapokalypse bildlich umgesetzt. Der Chorbereich zeigt beispielsweise apokalyptische

Franz Pauli (1927-1970): Lichtband aus St. Barbara in Katzwinkel (1960) und Kopie aus St. Michael in Lantenbach (1962)
Der Kölner Glaskünstler Franz Pauli (1927-1970) hatte eine besondere Vorliebe für Lichtbänder, die alle in den 1960er Jahren entstanden sind. Der Reigen eröffnete mit den beiden hier besprochenen Arbeiten in St. Barbara in Katzwinkel (1960) und St. Michael in Lantenbach,

Martin Schongauer (um 1445/1450 – 1491): Weltgericht aus dem Breisacher Münster (1491)
Aus der Werkstatt von Martin Schongauer (um 1445/1450 – 1491) haben wir nicht allein ein Rauchfass mit Anklängen an das Neuen Jerusalem (Bischofspalast Haarlem, um 1480) oder den Altar von Buhl/Bühl (um 1495), sondern auch eine Freskenmalerei aus dem späten

Himmelspforte mit Schlüssel aus St. Remigius in Dohm (um 1950)
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren das Motiv der Himmelspforte in katholischen Regionen ein bevorzugt gewähltes Thema bei der Ausgestaltung von Kirchen, sowohl bei Neubauten als auch bei der Beseitigung von Kriegsschäden. Auch in der Eifel haben sich noch Beispiele

Miniaturen aus der „Klugen Apokalypse“ (19. Jh.)
Diese Miniaturen gehören zu der Handschrift „Kluge Apokalypse“, eine Kommentierung der Johannesoffenbarung, die in der russisch-orthodoxen Kirche vor allem im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert populär war. Es hat sich ein Dutzend solcher „Klugen Apokalypse“ erhalten, nicht alle sind
Über mich
Dr. Claus Bernet
Um etwa 1990 begann ich, mich mit dem Thema Jerusalem zu beschäftigen. Die Stadt habe ich mehrfach bereist und Bücher zu diesem Thema verfasst; erwähnen sollte man vielleicht die Reihe „Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem“, den Band „Perlen des Neuen Jerusalem“ und meine Dissertation „Gebaute Apokalypse“. Zahlreiche Aufsätze erschienen immer wieder in Fachzeitschriften (Das Münster, Textilkunst International, Zeitschrift für Sepulkralkultur, u.v. a.). Mit meiner wissenschaftlichen Dokumentation von Jerusalems-Kunstwerken konnten bereits Ausstellungen und Museumskataloge unterstützt sowie Gemeinden bei der Anschaffung von geeigneten Kunstwerken beraten werden. Regelmäßig gebe ich auch Bildvorträge zu diesem Thema. Grundlage der Publikationen und der Bildvorträge sind meine fotografische Sammlung von inzwischen 6.000 Aufnahmen von Glasfenstern, Fresken, Mosaiken und anderen Kunstwerken.





