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Weltgericht auf dem Sisikoner Altar (um 1490)

Anna Selbdritt, Johannes Evangelista, der Heilige Ägidius und eine Darstellung des Jüngsten Gerichts sind die Themen eines Retabelschreins. Dieser gehört zu einem Hochaltar mit Figuren und bemalter Rückwand. Die Malerei in Temperafarben wurde von einem unbekannten Maler um 1490 in einfacher Manier auf Lindenholz aufgesetzt. Vermutlich war es eine Auftragsarbeit der ehemaligen, nicht erhaltenen Pfarrkirche St. Ägidius in Sisikon, heute im schweizerischen Kanton Uri. Die Finanzsituation der Bergdörfer kann man unmöglich mit heute vergleichen, große Kunst war hier nicht zu finanzieren, man musste mit einfachen handwerklichen Techniken das Beste herausholen. Sicherlich hat man sich auch bei diesem Werk an Vorlagen gehalten, die sich jedoch nicht erhalten haben.
Die Tafel der Rückseite mit dem Jüngsten Gericht hat eine Länge von 127 Zentimeter und eine Breite von 49 Zentimeter. In geschlossenen Zustand blickte man also links auf die Szene mit der Himmelspforte, in die eine nackte Gruppe Geretteter flüchtet, begleitet von Petrus, der selbstverständlich mit einem prächtigen Gewand ausgestattet ist, samt Heiligenschein. Die Pforte ist ein einfacher, dunkler Block mit einigen Schießscharten am oberen Abschluss. Dort ist nicht etwa Mauerzinnen zu sehen, sondern ein Wolkenband, auf dem eine Figur steht bzw. schwebt.
Rechts blickt man auf eine Höllendarstellung (hier nicht abgebildet). Heute ist die 1897 erworbene Tafelmalerei Teil der ständigen Ausstellung des Schweizer Landesmuseums Zürich (Sig. LM-3405.58).

Ilse Baier-Futterer: Die Bildwerke der Romanik und Gotik, Zürich 1936.
Marianne Szigeti, Dione Flühler-Kreis, Peter Wyer: Die Holzskulpturen des Mittelalters, 2, Zürich 2007.
Claus Bernet: Torszenen, Himmelspforten, Porta Coeli, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 11).

 

tags: Schweiz, Kanton Uri, Himmelspforte, Torszene, Retabel, Altargemälde, Landesmuseum Zürich, Weltgericht
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