Benediktinerkirche Pomposa (1361-1376)

Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus umfangreichen Bildfolgen zum Alten und Neuen Testament aus der Kirche der Benediktinerabtei Pomposa in der Emilia-Romagna. Die Wandmalerei des Trecento wird der frühen (ersten) Bologneser Schule zugerechnet. Das Neue Jerusalem ist aber nun nicht, wie zu erwarten wäre, in den Apokalypsezyklus eingebunden, sondern findet sich auf der Westwand der Abteikirche unter dem Thema „Das Weltgericht“ nach Apok. 17, 20. Es wurde unter der Leitung des Abtes Aimerico zwischen 1361 und 1376 gestaltet.
Ganz oben, links neben einem Oberlichtfenster, ist Jerusalem als dicht bebaute Stadt des Mittelalters dargestellt. Darunter sind auch auffällig viele Kirchen oder Kapellen. Diese sind von einer mit mehreren Wehrtürmen verstärkten Stadtmauer umzogen. Nach vorne ist ein offenes Tor mit zwei Zugangsrampen zu sehen, und über der Stadt erscheint das Christuslamm in einem Tondo. Die Farben sind, nach umfangreichen Restaurierungen, wieder in ihre ursprüngliche Pastelltönung gesetzt, die kennzeichnend für den Stil benediktinischer Freskomalerei ist. Die Stadt ist dabei in einem gelblich-roten Ton gehalten, der möglicherweise an das Gold, welches der heiligen Stadt als Baumaterial dient, erinnern soll. Über der Stadt ist übrigens kein Schmuckfries angebracht, sondern es ist eine Illusionsmalerei, die das Gebälk der Decke vortäuscht.

Mario Salmi: L’Abbazia di Pomposa, Milano 1966 (2).
Letizia Caselli: L’Abbazia di Pomposa. Guida storica e artistica, Treviso 1996. 
Stefanie Hauer: Erneuerung im Bild: die Benediktinerabtei Pomposa und ihre Wandmalereien des 14. Jahrhunderts, Wiesbaden 1998.
Claus Bernet: Gotik, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 30).

 

tags: Fresko, Benediktiner, Kloster, Abtei, Emilia-Romagna, Italien, Trecento
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