Ludwig Richard Conradi (1856-1939): „Die Offenbarung Jesu Christi“ (1903)

In der ersten Auflage von „Die Offenbarung Jesu Christi“ des Adventisten Ludwig Richard Conradi (1856-1939), welche 1903 bei der Internationalen Traktatgesellschaft in Hamburg erschienen und in Leipzig bei dem Verlag Greßner & Schramm gedruckt wurde, finden sich neue Zeichnungen zum Himmlischen Jerusalem. Seite 505 bringt eine anspruchsvolle Jugendstilvignette, die das 21. Kapitel eröffnet: „Kapitel XXI Das neue Jerusalem“. Hier verbinden schwungvolle rankenartige Linien drei Bildelemente: den Engel mit Johannes links, die Beschriftung unten und die Darstellung der Stadt oben in einer rechteckigen Rahmung. Von der Stadt ist dann nicht viel zu sehen, es ist mehr eine gleißende Lichterscheinung, die Mauern und Häuser mehr ahnen als erkennen lässt. Für Schwarz-weiß-Zeichnungen war die gekonnte Herausarbeitung von Lichteffekten, die bei der Gottesstadt vorherrschen, eine Herausforderung, die der Illustrator, den wir leider namentlich nicht kennen, überzeugend gelöst hat.

                   „Die Braut des Lammes“

Seite 509 des gleichen Buches zeigt über der Bildunterschrift „Die Braut des Lammes“ den Seher Johannes auf Patmos. Dieser kniet vor der Stadt rechts oben im Bild nieder. Der Begriff „Braut des Lammes“ ist eine andere Bezeichnung für die Stadt Gottes, wie sie in der Apokalypse auch tituliert wird. Die einfarbige Zeichnung ist sicher einer anderen Hand zuzuweisen als die Vignette oben, dennoch sind beides hervorragende Beispiele der professionellen Buchillustration von der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert.

Daniel Heinz: Ludwig Richard Conradi. Missionar, Evangelist und Organisator der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa, 3., aktualisierte und erw. Aufl., Frankfurt am Main 1998.
Claus Bernet: Jugendstil, Secession, Art nouveau, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 7).

tags: Illustration, Vignette, Jugendstil, Ludwig Richard Conradi, Adventisten
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