LETZTER BEITRAG
Weltgerichte als Hinterglasmalerei, überwiegend Rumänien (19. Jh.)
Die Hinterglasmalerei kam im 19. Jahrhundert über Bayern und Niederösterreich nach Rumänien, vor allem in die Landesteile, die damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörten. Hier in Rumänien wurde vor allem das Weltgericht gerne als Thema herangezogen,

William Howland: Pilgrim’s Progress, Ausgabe 1851
Es gibt eine ganze Reihe von Illustrationen des 19. Jahrhunderts, die auf einmal die Himmelspforte aus dem Roman „Pilgrim’s Progress“ in einen morbiden Kontext stellen: Entweder sind die Mauern mit Efeu überwuchert, oder es stehen Urnen umher, das Licht ist düster, Kreuze stehen vor Gräbern, mitunter liegt ein Totenschädel herum

Einzelblatt zu John Bunyans Pilgrim’s Progress (1792)
John Bunyan (1628-1688) war ein englischer Baptistenprediger und erfolgreicher Schriftsteller. Heute noch ist vor allem seine Schrift „The Pilgrim’s Progress“ im angloamerikanischen Raum bekannt. Das Werk, ein Erbauungs- und Reiseroman, gehört zur Weltliteratur und wird immer wieder neu aufgelegt. Bislang wurde es in über 200 Sprachen übersetzt. Vom 17. Jahrhundert

Edward Henry Wehnert (1813-1868): Pilgrim´s Progress, Ausgabe 1858
Eine spezielle Ausgabe für Jugendliche erschien im Jahr 1858 in London. Sie enthält 16 Zeichnungen des englischen Künstlers Edward Henry Wehnert (1813-1868). Diejenige auf Seite 19 zeigt eine breite Himmelspforte mit neogotischen Stilanklängen. Der Rahmen der breiten Pforte ist mit einer Inschrift versehen: „Knock and it shall be opened vnto

Isaac Taylor (1787-1865): Pilgrim’s Progress, Ausgabe 1808
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist ein deutliches Bestreben festzustellen, endlich neue Illustrationen für die Ausgaben von „Pilgrim’s Progress“ zu erarbeiten. Eine Ausgabe mit diesem Anspruch betreute der Prediger George Burder. Sie erschien im Jahr 1808 in London. Schon im Titel wurde darauf verwiesen, dass hier sechs neue Zeichnungen enthalten

Joseph Mallord William Turner (1775-1851) u.a.: Pilgrim’s Progress, Ausgaben 1838 und 1855
1838 erschien in Paris und in London eine Parallelausgabe von John Bunyan‘s Meisterwerk „Pilgrim’s Progress“, die der Verlag „Fisher, Son, and Co.“ herausbrachte. Wie zu dieser Zeit beliebt, wurden unterschiedliche Zeichnungen bekannter und unbekannter Illustratoren zusammengestellt: Die Zeit liebte diese „bunte Mischung“, und für die Verleger war es kostengünstig, denn

Joseph Yeager (um 1792-1859): Pilgrim’s Progress, Ausgabe 1830
Von dem Künstler Joseph Yeager (um 1792 – 1859) aus Philadelphia kennen wir eher einzelne Kupferstiche und Drucke, wie „The ‚Lion‘ of the Party“, ein Porträt von Samuel Egerton Brydges, „The Young Lord“ oder das Schlachtengemälde „Battle of New Orleans and the Death of Major General Packenham on the 8th

Howard Dudley (1820-1864): Pilgrim’s Progress, Ausgabe 1848
Howard Dudley (1820-1864) schuf den Kupferstich „Mercy at the Gate“, welcher der Londoner Ausgabe des Romans „Pilgrim’s Progress“ des John Bunyan vorangestellt wurde. Erschienen ist diese im Jahr 1848. Kaum eine Illustration war im Viktorianismus so beliebt wie diese Szene, das belegen zahlreiche ähnliche Arbeiten namhafter Künstler Englands, wie von

William Harvey (1786-1866): Pilgrim’s Progress, Ausgaben 1850 und 1857
Neue Illustrationen nach Vorlagen von William Harvey (1786-1866), welche von den drei Brüdern Dalziel gestochen wurden, bringt eine Londoner Ausgabe aus dem Jahr 1850. Seite 254 zeigt eine offene, aber fast zugewachsene Pforte in freier Natur. Aus dieser dringt Licht nach draußen und beleuchtet bzw. erleuchtet die Personen davor. Mit

Trierer Apokalypse und Apokalypse von Cambrai (9. Jh.)
Die Trierer Apokalypse wurde in Nordfrankreich in einem karolingischen Skriptorium geschrieben und illustriert (Stadtbibliothek Trier, Cod. 31: fol. 67r, 69r, 70r, 71r, 72r und 73r). Sie gilt als Meisterwerk der Romanik. Von 74 ganzseitigen, rot gerahmten Miniaturen zeigen sechs das Himmlische Jerusalem. Entstanden vermutlich zu Beginn des 9. Jh. sind

John Martin (1789-1854): Mezzotinto-Fassungen (1824/25)
John Martin (1789-1854) ist vor allem für sein Ölgemälde „The Last Judgement“ bekannt (1853), doch er hat das Himmlische Jerusalem bereits früher mehrfach dargestellt. Um 1824 hatte der junge Verleger Septimus Prowett (vor 1820-1867) Martin mit der Anfertigung einer Reihe von Mezzotinto-Illustrationen zu Miltons „Paradise Lost“ beauftragt, wofür Martin die

Oden Hetrick (1922-2001): Jerusalems-Logo (um 2000)
Die am Computer entstandene Arbeit von Oden Hetrick (1922-2001) soll das Thema Himmlisches Jerusalem streng bibelgläubigen Christen pädagogisch illustrieren. Markant sind in der Frontalsicht links das ausladende Edelstein-Fundament und der Strahlenkranz aus dem Zylinder im Inneren des Kubus, der Thron Gottes. Das erste Bild ist auch das Cover von Hetricks

Manuel de Samaniego (1767-1824): Himmelspforten einer Malerei der Maria Immaculata (1790)
Manuel de Samaniego (1767-1824) schuf im Jahre 1790 in seiner Geburtsstadt Quito eine Maria Immaculata. Die kostbar ausgeführte Ölmalerei ist heute Teil der Sammlung der Zentralbank von Ecuador. Auf ihr sind viele Symbole Mariens in Gold aufgemalt, so auch mittig links eine geschlossene Pforte (hier links abgebildet). Ihr gegenüber ist

Franz Pauli (1927-1970): St. Nikolaus in Brauweiler (1965/1966 und 1967)
Wenige Kirchen haben drei Glasfenster mit dem gleichen Motiv, und noch weniger Kirchen haben drei Fenster mit gleichem Motiv vom gleichen Künstler. Eine solche Seltenheit ist der Fall bei der römisch-katholischen Kirche St. Nikolaus (der ehemaligen Abteikirche) in Pulheim-Brauweiler im Rhein-Erft-Kreis. Bislang hielt Pforzheim diesen Rekord, wo aber die drei

Triptychon-Ikone der Mariä-Schutz-Kathedrale in Moskau (17. Jh.)
Die Triptychon-Ikone ist eine der wenigen Ikonen, die das Himmlische Jerusalem zwei Mal darstellt. Die Ikone (208 x 138 Zentimeter) stammt aus dem 17. Jahrhundert. Auf drei Tafeln, die die meiste Zeit des Jahres geschlossen waren, wurden die Ereignisse der Endzeit in kräftigen Farben geschildert. Ihr Maler stammte aus Jaroslawl

Wolf Dieter Kohler (1928-1985), Rudolf Yelin (1902-1991) und Adolf Saile (1905-1994): Stiftskirche Stuttgart (1953/54)
1953/54 wurde die evangelische Stiftskirche Stuttgart mit neuen, hochwertigen Glasfenstern im Chorbereich ausgestattet, womit Schäden durch die Bombardierungen der Jahre 1944/45 beseitigt wurden. Jedes der drei Fenster kostete damals 12.000 Deutsche Mark – eine damals ungewöhnlich hohe Summe (ein der Größe vergleichbares Fenster in Ulm kostete damals gerade einmal

Joseph Martin Kronheim (1810-1896): Illustrationen zu Pilgrim’s Progress (um 1870)
Um 1870 erschien in London „Bunyan‘s Pilgrim’s Progress in words of one syllable“, herausgegeben von Samuel Phillips Day. Ausgestattet sind sie mit Farbabbildungen im Stil des Historismus von Joseph Martin Kronheim (1810-1896), der sich mit diesem Thema während seines Schaffens

Hans Gottfried von Stockhausen (1920-2010): Chorfenster im Ulmer Münster (1956)
Das Ulmer Münster ist auch eine Art Freilichtmuseum der Glasmalerei, denn hier finden sich Fenster von zahlreichen Glaskünstlern aus Süddeutschland, die vor allem nach 1945 gearbeitet haben, wie Rudolf Yelin, Wilhelm Geyer, Wolf-Dieter Kohler, Peter Valentin Feuerstein und auch Hans

Gianfrancesco da Tolmezzo: Fresko in Sant’Antonio Abate in Barbeano (um 1485)
Gianfrancesco da Tolmezzo, auch bekannt als Gianfranco del Zotto, wurde in Socchieve bei Udine geboren, in der heutigen italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Er lebte dort von etwa 1450 bis 1510. Der Maler gilt als einer der Begründer der Tolmezzo-Malerschule bzw.

Yoël Benharrouche (geb. 1961): Vase „Himmlische Jerusalem“ (1995)
Möbelstücke im Zusammenhang mit dem Himmlischen Jerusalem sind eine Rarität, bislang gab es beispielsweise einen Tisch, eine Vitrine, eine Sitzbank oder auch einmal einen Schrank. Ein mehr dekoratives Werk ist eine Vase, die im Jahr 1995 designet wurde. Es handelt

Maria Kiess (geb. 1949): Heiligtum der Schönstatt-Bewegung (2010)
Die Ölmalerei der Größe von 55 x 40 Zentimeter wurde im Jahr 2010 von der Malerin und Glaskünstlerin Maria Kiess (geb. 1949) aus Freising geschaffen. Ihre Arbeit gehört der Schönstatt-Bewegung Deutschland, wo sie im Büro des Leiters einen festen Platz

Franz Nagel (1907-1976): Wandmalerei aus St. Benedikt in Ebenhausen (1965)
St. Benedikt in Ebenhausen südlich von München wird derzeit profaniert, ich hatte unmittelbar vor Schließung der römisch-katholischen Kirche noch Gelegenheit, die dortigen Wandmalereien ein letztes Mal anzusehen und zu dokumentieren. Die Erzdiözese München/Freising erklärte dazu: „Das asbesthaltige Dach und die
Über mich
Dr. Claus Bernet
Um etwa 1990 begann ich, mich mit dem Thema Jerusalem zu beschäftigen. Die Stadt habe ich mehrfach bereist und Bücher zu diesem Thema verfasst; erwähnen sollte man vielleicht die Reihe „Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem“, den Band „Perlen des Neuen Jerusalem“ und meine Dissertation „Gebaute Apokalypse“. Zahlreiche Aufsätze erschienen immer wieder in Fachzeitschriften (Das Münster, Textilkunst International, Zeitschrift für Sepulkralkultur, u.v. a.). Mit meiner wissenschaftlichen Dokumentation von Jerusalems-Kunstwerken konnten bereits Ausstellungen und Museumskataloge unterstützt sowie Gemeinden bei der Anschaffung von geeigneten Kunstwerken beraten werden. Regelmäßig gebe ich auch Bildvorträge zu diesem Thema. Grundlage der Publikationen und der Bildvorträge sind meine fotografische Sammlung von inzwischen 6.000 Aufnahmen von Glasfenstern, Fresken, Mosaiken und anderen Kunstwerken.





