Wolf-Dieter Kohler (1928-1985): Glaswand der evangelischen Kirche von Böckingen (1959)
Im Schaffen des Glasmalers von Wolf-Dieter Kohler (1928-1985) ist seine Glaswand in der evangelischen Kirche von Böckingens Neustadt (nicht zu verwechseln mit der älteren Kirche St. Pankratius in der Altstadt) wenig bekannt; Fachliteratur gibt es keine. Böckingen ist ein Stadtteil von Heilbronn, wo der Maler die Fenster der Nikolaikirche gestaltete. Beide Arbeiten entstanden 1959, und beide Arbeiten zeigen das Himmlische Jerusalem, könnten aber unterschiedlicher kaum sein:
-bei der Nikolaikirche wurde im historischen Bestand gearbeitet, bei Böckingen handelte es sich um einen modernen Nachkriegsneubau;
-das Fenster der Nikolaikirche ist vertikal ausgerichtet, die Glaswand in Böckingen horizontal;
-in der Nikolaikirche zeigte Kohler vor allem menschliche Figuren, in Böckingen wurden diese komplett weggelassen;
-während bei dem Fenster der Nikolaikirche ein helles Rot und Blau dominiert, ist es in Böckingen ein dunkles, erdiges Grün und Braun;
-in der Nikolaikirche wurden die Entwürfe Kohlers von der Glaserei Emil Gaisser ausgeführt, in der Kirche von Böckingen von Valentin Saile in Stuttgart.

Allein die zwölf Tore ähneln sich, in beiden Kirchen sind es polygonale Blöcke mit einer grün-blauen Füllung, gold-gelbem Mauerwerk und einem roten Dach. Damit steht die Böckinger Fensterwand eher in einer Beziehung zur Glaswand der Bergkirche von Großengstingen, die von Kohler vier Jahre später geschaffen wurde.
In Böckingen sind fünf Tore auf der linken Fensterbahn, sieben dagegen auf der rechten Bahn versammelt. Davon abgesetzt befindet sich links in einer weiteren, separaten Fensterbahn das Lamm Gottes mit der Siegesfahne. Seine Beziehung zur Stadt wird vor allem durch den Blick hergestellt, während es von der Bewegung her gesehen in die entgegengesetzte Richtung läuft.

In der vorletzten Bahn rechts findet sich zwischen den sieben Toren ein eigenartiges Objekt. Es handelt sich um einen weiteren Block mit sieben schmalen roten Bögen oder Bändern – so etwas findet sich in keinem anderen Neuen Jerusalem von Kohler, der in zahlreichen Kirchen und Kapellen dieses Motiv gestaltet hat. Wenn es nicht der Tempel sein soll, den es laut biblischem Text in der zukünftigen Stadt allerdings nicht geben sollte, und auch das Buch mit den Siegeln so singulär kaum in Frage kommen dürfte, wird es wohl vermutlich der Thron sein, denn damit wäre der Bezug zum Lamm auf der gegenüber liegenden Seite hergestellt.



