LETZTER BEITRAG
Anonyme Darstellungen der Maria Immaculata (20. Jh.)
Das 20. Jahrhundert war keine große Zeit der Maria-Immaculata-Darstellungen mehr – man findet eigentlich Nichts, was es nicht schon im 17., 18. oder 19. Jahrhundert gegeben hat. Die Klöster und Kirchen waren inzwischen ausreichend mit

Paul Nagel (1925-2016): Deckenmalerei der Edith-Stein-Kapelle in Bensheim (1987)
1980 brannte es im Bensheimer Priesterseminar. Die Erzdiözese Köln ergriff die Gelegenheit, die Räumlichkeiten nicht mehr als Seminar wiederherzustellen, sondern zu einem Tagungszentrum und Hotel umzubauen. Neben einer kleinen Hauskapelle errichtete man die neue Edith-Stein-Kapelle im Zentrum der vierflügeligen völlig neu durch die Architekten Hans Peter Greyer und Manfred König

Historistische Himmelspforte aus St. Johannes Baptist in Neheim (1913)
Unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg wurde noch im Jahr 1913 die römisch-katholische Kirche St. Johannes Baptist in Neheim mit einer imposanten Porta Coeli ausgestattet. Das mehrteilige Fenster stammt von der Kölner Glasmalerei und Kunstgießerei Schneiders & Schmolz. 1976 wurde es von der Firma Hartmann aus Neheim erstmals restauriert und ergänzt,

Werner Eckgold (1915-1998): St. Petri-Kirche in Wuppertal-Elberfeld (1964)
Die St. Petri-Kirche am nördlichen Rande der Wuppertaler Altstadt gehört zur Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), die auf Glasfenstern öfters auch das Himmlische Jerusalem zur Darstellung brachte – ein anderes Fenster dieser Glaubensgemeinschaft befindet sich unweit in der Martini-Kirche in Radevormwald (1959).In Wuppertal findet man das Himmlische Jerusalem auf einem Fenster

Jan Mostaert (um 1474-1552/53): Triptychon mit Jüngstem Gericht sowie Porträts der Familie Noordwijk (um 1514)
Das Triptychon mit einem Jüngstem Gericht sowie Porträts der Familie Noordwijk ist in Bezug auf das Himmlische Jerusalem eine der interessantesten Tafelmalereien am Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance. Es war eine Zeit der Experimente und der Extreme, die alten Sicherheiten galten nicht mehr und etwas Neues hatte sich noch nicht

Werner Eckgold (1915-1998): St. Marien in Wuppertal-Elberfeld (1962)
Das genaue Entstehungsjahr dieses Glasfensters ist nicht bekannt, es wird auf die Zeit um 1964 datiert. Aus den Akten des Bistums geht hervor, dass das 75jährige Kirchenjubiläum der Anlass des Einbaus war, was sich aber aus finanziellen und anderen Gründen mehrfach verschob, da man zunächst einen anderen Glasmaler (P. Weigmann)

Adolf Valentin Saile (1905-1994): Weil im Schönbuch (1967)
Ein spätes Werk des Stuttgarter Glasmeisters Adolf Valentin Saile (1905-1994) mit einer Thematisierung des Himmlischen Jerusalems entstand 1967 in der Martinskirche in Weil im Schönbuch bei Böblingen (signiert und datiert unten links). Auch bei diesem Einbau handelt es sich um eine Purifizierung im historischen Bestand, auf die sich Saile spezialisiert

Adolf Valentin Saile (1905-1994): Buntglasfenster der Ägidiuskirche in Brettach (1963)
Eine der weniger bekannten Arbeiten des Glasmalers und Glasherstellers Adolf Valentin Saile (1905-1994) findet man in der evangelischen Ägidiuskirche von Brettach in der Region Heilbronn-Franken. Anlass zu dem Motiv des Himmlischen Jerusalem gab möglicherweise eine Emporenmalerei aus der Barockzeit, die in dieser Kirche bereits einmal die himmlische Stadt zeigt. Saile

Walter Stranders: Pilgrim’s-Progress-Spiel aus New York (1882)
Ende des 19. Jahrhunderts befand sich der Erfolgsroman „Pilgrim’s Progress“, bereits schon in die Jahrhunderte gekommen, auf einem neuen Popularitätsgipfel – allerdings nicht bei Frommen oder Literaten, sondern bei Spielern. Es gab zu dieser Zeit mehrere Brettspiele und auch Puzzles, vornehmlich im angloamerikanischen Sprachraum. Eines der Spiele war das „Pilgrim’s

Adolf Valentin Saile (1905-1994): Gingen an der Fils (1964)
Gingen an der Fils ist eine Landgemeinde östlich von Stuttgart. Ihr baulicher Mittelpunkt ist die spätgotische Johanniskirche, die überregional als Gesamtkunstwerk im Filstal bekannt ist. 1963/64 waren umfangreiche Renovierungen notwendig – nur erfahrene Kräfte sollten hier sorgfältig im Bestand arbeiten, so war die Vorgabe in der Ausschreibung. Auch wünschte man

Siegfried Assmann (1925-2021): Fensterlösungen aus der St.-Johannis-Kirche in Hamburg-Steilshoop (1977 und 1992)
Für die Hamburger Neubausiedlung Steilshoop wurde 1976/77 eine große, moderne Kirche errichtet, benannt nach dem Seher Johannes als St.-Johannis-Kirche. Bei der Baugestaltung war von Beginn an der Glaskünstler Glasmaler Siegfried Assmann (1925-2021) aus Ahrensburg beteiligt. Er entschied sich für eine Lichtsymphonie aus pastellfarbenem Antikglas der „Glasmanufactur“ Schneider aus Glinde für

Renate Strasser (1924-2012): Fensterkreuz aus der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ in Berlin-Wilmersdorf (1973)
Im Jahr 1973 wurde in einer Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) das Thema des Himmlischen Jerusalem in einem Glasfenster bildlich umgesetzt. Nachdem zuvor schon Werner Gabel und Werner Eckgold für die SELK tätig gewesen waren, bildete sich langsam eine figürliche Tradition solcher Darstellungen heraus, die sich nun in Berlin fortsetzen sollte.

Paramentwerkstatt Stuttgart: Weißes Antependium für die Kirche von Fornsbach (um 1965)
1949 wurden gleichzeitig das Rathaus, die Dorfschule und die evangelische Kirche von Fornsbach im oberen Murrtal (östliches Baden-Württemberg) neu errichtet, zum Teil auf dem ehemaligen Standort und in den einstigen Proportionen. Der erste Wiederaufbau war einfach und zweckdienlich, Kunst spielte an den Fassaden wie in der Innengestaltung zunächst keine hervorgehobene

Albert Birkle (1900-1986): Chorfenster in St. Jakob in Gernsbach (1966)
Zu Beginn der 1960er Jahre stand für die evangelische Gemeinde von Gernsbach, einer badischen Stadt am Rande des Schwarzwalds, endgültig fest, dass der Chorbereich mit neuen, hochwertigen Glasfenstern ausgestaltet werden sollte. Pfarrer Siegfried Diemer kam damals überein, damit den Glasmeister Albert Birkle (1900-1986) zu beauftragen. Möglich wurde es durch Spenden

Adolf Saile (1905-1994): Altarfenster der evangelischen Kirche in Gammertingen (1956)
Bereits im Jahr 1851 wurde in Gammertingen (Schwäbische Alb) eine evangelische Kirchengemeinde gegründet, damals noch in einem überwiegend katholischem Umfeld. Die Gemeinde gehörte damals zum Kirchenkreis der hohenzollerischen Lande der evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 1891 wurde dann in Gammertingen eine eigene Pfarrei errichtet. Man traf sich über Jahrzehnte in

Anonym: Himmelspforte einer mexikanischen Kreuzigungsdarstellung aus San Martin Obispo de Tours in Huaquechula (17. Jh.)
Dieses Himmlische Jerusalem gehört einmal nicht zu einer Darstellung der Maria Immaculata, sondern zu einer Kreuzigungsdarstellung aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde in Mexiko angefertigt und befindet sich heute im Schiff der ehemaligen römisch-katholischen Klosterkirche San Martin Obispo de Tours, in der mexikanischen Stadt Huaquechula. Wegen der ungewöhnlichen Form des

Walter Prolingheuer (geb. 1926): „Himmlisches Jerusalem“ (1989)
Dieses abstrakt-expressive Jerusalem hätte auch in den 1920er Jahren im Umfeld der Bauhaus gemalt werden können; es erinnert an Metropolis oder an Tauts Architekturutopien. Es entstand aber 1989 als auf Papier (59 x 42 Zentimeter groß) von Walter Prolingheuer (geb.

Adolf Meister (geb. 1931): Malerei „Auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem“ (1992)
Adolf Meister (geb. 1931) gehört zu den malenden Priestern, er nimmt in Dänemark eine ähnliche Funktion ein wie einst Sieger Köder in Württemberg. Im Laufe der Jahre sind mir knapp fünfzig Kunstwerke bekannt geworden, die von Pfarrern gefertigt wurden, davon

Meriam Matthews: Rendering „Das neue Jerusalem“ (um 1992)
Eines der frühen Renderings zum Thema Neues Jerusalem entstand um 1992. Damals waren Renderings eine neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die bereits Elemente der Künstlichen Intelligenz vorweg nahmen. Immer mehr wurden Menschen ohne künstlerische Ausbildung oder ohne Talent in die Lage versetzt,

Gérard Bayle (1923-2000): Gemälde „Das himmlische Jerusalem“ (um 1992)
Über den Maler Gérard Bayle (1923-2000) ist leider nicht viel bekannt geworden. Er war nicht nur Künstler, sondern in erster Linie Kunstlehrer und Museumkurator. So betreute er von 1952 bis 1962 das Museums der Schönen Künste von Cambrai (wo einst

Harry Knox, John Knox: Coverbild zu „Ministry International Journal for Pastors“ (2000)
Die Zeit der Wende vom zweiten in das dritte Jahrtausend war von einer endzeitlichen Stimmung geprägt, die sich in einer Vielzahl von neuen Arbeiten zum Himmlischen Jerusalem Ausdruck verschaffte. Im Vergleich zu den Jahren davor und danach stieg die Produktion

Amanda Crossland: Zeichnung „Neues Jerusalem“ (um 2000)
Die Filzstift-Farbzeichnung „New Jerusalem“ war eine Auftragsarbeit von Amanda Crossland für das Internetportal der internationalen Organisation „Bibleview“ mit Sitz in Christchurch, New Zealand. Irgendetwas Konkretes konnte ich über die Verfasserin dieser Zeichnung nicht herausfinden, die Mitarbeiter wechseln oft und inzwischen
Über mich
Dr. Claus Bernet
Um etwa 1990 begann ich, mich mit dem Thema Jerusalem zu beschäftigen. Die Stadt habe ich mehrfach bereist und Bücher zu diesem Thema verfasst; erwähnen sollte man vielleicht die Reihe „Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem“, den Band „Perlen des Neuen Jerusalem“ und meine Dissertation „Gebaute Apokalypse“. Zahlreiche Aufsätze erschienen immer wieder in Fachzeitschriften (Das Münster, Textilkunst International, Zeitschrift für Sepulkralkultur, u.v. a.). Mit meiner wissenschaftlichen Dokumentation von Jerusalems-Kunstwerken konnten bereits Ausstellungen und Museumskataloge unterstützt sowie Gemeinden bei der Anschaffung von geeigneten Kunstwerken beraten werden. Regelmäßig gebe ich auch Bildvorträge zu diesem Thema. Grundlage der Publikationen und der Bildvorträge sind meine fotografische Sammlung von inzwischen 6.000 Aufnahmen von Glasfenstern, Fresken, Mosaiken und anderen Kunstwerken.




