LETZTER BEITRAG

Marko Ivan Rupnik (geb. 1954): Mosaikgestaltung in der Kapelle Redemptoris Mater (1996)

Es ist erstaunlich: Viele Jahrhunderte, ja fast zwei Jahrtausende, kam der Vatikan ohne repräsentative Darstellungen des Himmlischen Jerusalem aus. Gleiches gilt übrigens auch für die Exilzeit der römisch-katholischen Kirche in Avignon, wo bei der reichhaltigen Ausschmückung des dortigen Papstpalastes das Neue Jerusalem offensichtlich kein Thema war. Erst mit dem Mosaik

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Taylor MS. 7: Französisches Stundenbuch (um 1530)

Diese Darstellung der Maria Immaculata ist etwa 1530 entstanden. In ihr zeigen sich Einflüsse einer ganzen Reihe von jüngeren Arbeiten. So findet sich um das Bild auf fol. 97r mit der Marienfigur ein goldener Rahmen mit Stilmerkmalen der Frührenaissance. Hier wird der Rahmen selbst zur Architektur: Ein Torbogen entsteht, durch

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Umkreis des Jean Pichore: Stundenbücher (1530 und 1535)

Das Walters Art Museum (Baltimore, Maryland, USA) besitzt ein frühes Stundenbuch, dessen Entstehung das Museum auf 1530 datiert. Es wäre damit also genau im gleichen Zeitraum entstanden wie das Stundenbuch MS Latin 1175 oder die Glasmalereien von Saint-Étienne in Thillaye oder Saint-Médard in Baugy. Das Stundenbuch, um welches es hier

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MS HM 1124: Stundenbuch (um 1515)

Man kann, um die Miniaturen der Maria Immaculata etwas zu ordnen, drei Hauptgruppen unterscheiden: Miniaturen mit einem überwiegend goldenem Hintergrund (etwa MS Latin 1175 oder MS Latin 10563), mit einem roten Hintergrund (MS 92.83) oder mit einem blauen Hintergrund. Die Gründe für diese Farbwahl ist nachvollziehbar: Gold steht für göttliches

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Stundenbuch-Einzelblatt (angeblich um 1520)

In der Vielzahl der Lauretanischen Litaneien sticht diese Arbeit besonders hervor, schon dadurch, dass sie überwiegend in einem kräftigen roten Farbton gehalten ist. Der Aufbau mit der stehenden Marienfigur und den sie umgebenden Symbolen ist ähnlich wie auf den Fassungen seit Thielman Kervers. Betrachtet man die zeichnerische Ausgestaltung jedoch genauer,

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Stundenbuch MS Richardson 10 (um 1515)

Der Lauretanischen Litanei in der Fassung von Thielman Kerver war ein großer Erfolg beschieden; von den zahlreichen Kopien werden sich nicht alle erhalten haben. Eine jedenfalls entstand um 1515 und ist heute als MS Richardson 10 Teil der Houghton Library in Cambridge. Ihr Titel ist „Horae beatae Mariae virginis“. Entstanden

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MS Latin 1175: Französisches Stundenbuch (um 1530)

In spätmittelalterlichen Stundenbüchern gab es drei Bildtypen, die das Neue Jerusalem visuell präsentieren: Entweder in Form von Monatsblättern als Kalender, oder auf Weltgerichten (Jerusalem links gegenüber der Hölle) oder auf Darstellungen der Lauretanischen Litanei, wo die Porta Coeli und die Civitas Dei das Neue Jerusalem pars pro toto markieren. Die

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MS Latin 1391: „Horae et preces Annae de Rohan“ (um 1500)

Um 1515 war die Darstellung der Maria Immaculata mit einer Auswahl ihrer Symbole das große Thema, vor allem in Frankreich. Es gab das Motiv bald als Relief in Stein (Blot l’Église, Nogent-Sur-Seine, Montdidier), in Glas auf Kirchenfenstern (in Crouy sur Ourcq, Montdauphin, Roberval) und in Stundenbüchern als Miniatur. Früher noch

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Andachtskarte aus Palermo (um 1800)

Nach einer letzten großen Welle von Ölmalereien der Maria Immaculata im späten 18. Jahrhundert, getragen von Meistern wie José de Ibarra, Manuel Cerna, Manuel de Samaniego oder Juan de Miranda kam es Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Krise: Aufgrund der politischen und ökonomischen Umstände kam es zu einem Rückgang

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Ortensio Bruni: U-Immaculata aus San Gregorio in Atri di Cascia (18. Jh.)

Innerhalb der Vielzahl von Immaculata-Ölmalereien lässt sich eine spezifische Untergruppe ausmachen. Bei dieser Gruppe ist die Marienfigur klar durch ein Wolkenband abgegrenzt von den sie umgebenden Symbolen. Die Umrisse dieses Bandes ergeben den Buchstaben „U“, und solche U-Madonnen lassen sich in schon im 17. Jahrhundert nachweisen, etwa von dem italienischen

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Theodor Galle (1571-1633): „Tota Pulchra“ (um 1600)

Theodor Galle (1571-1633) war ein Kupferstecher des Frühbarock, der aus einer niederländischen Künstlerfamilie stammte: Er war der Sohn des Zeichners Philippus Galle und der Bruder von Cornelius Galle d. Ä., dem erfolgreichsten Kupferstecher dieser Familie. Theodor Galle machte erst eine Lehre bei seinem Vater, hielt sich dann in Rom auf

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Anonyme Darstellungen der Maria Immaculata (20. und 21. Jh.)

Das 20. Jahrhundert war keine große Zeit der Maria-Immaculata-Darstellungen mehr – man findet eigentlich Nichts, was es nicht schon im 17., 18. oder 19. Jahrhundert gegeben hat. Die Klöster und Kirchen waren inzwischen ausreichend mit diesem Bildmotiv ausgestattet, so dass sich der Bedarf verschob. Die wenigen anonym entstandenen Arbeiten wurden

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José de Ibarra (1688-1756): Maria Immaculata in San Francisco von Guadalajara (um 1750)

Neben Juan Rodríguez Juárez (1675-1728) und Cristóbal de Villalpando (ca. 1649-1714) zählt José de Ibarra zu den bedeutendsten Malern Neuspaniens der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hauptgegenstand, der damals überhaupt zahlreichen Malern eine Existenz ermöglichte, waren die Ölmalereien der Maria Immaculata für die expandierenden Kirchen und Klöster. Sowohl Juárez, de

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„Maler von El Tocuyo“ und Nachfolger: Immaculata-Malereien (um 1700)

Der Begriff „Maler von El Tocuyo“ bezieht sich auf einen anonymen Kolonialkünstler, der im späten 17. Jahrhundert in El Tocuyo, im heutigen Venezuela, tätig war. Nachgewiesen, hauptsächlich dank der Studien von Alfredo Boulton, ist er dort zwischen etwa 1682 und 1702. Der Maler von El Tocuyo ist heute in Fachkreisen

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MS 119: Französisches Stundenbuch (um 1550)

In der Mitte des 16. Jahrhundert war das Thema Tota Pulchra, also die Maria Immaculata mit ihren Symbolen der Reinheit nach der Lauretanischen Litanei, längst etabliert. Die großen Stundenbücher waren geschrieben, das Thema findet sich jetzt eher auf Kupferstichen und

Mönch Palladius „Predigt über die Wiederkunft Christi“ (um 1760)

Es ist ein Charakteristikum der Ostkirche, dass das Himmlische Jerusalem stark von Paradiesvorstellungen mit geprägt ist, mit zwei Konsequenzen, erstens: Die Himmelspforte wie auch die Paradiespforte ähneln sich, und zweitens wird das Neue Jerusalem mitunter als Paradiesgarten mit Wiesen, Blumen,

Weltgericht aus Melaya Guba (18. Jh.)

Den Aufbau dieser Ikone darf man als „klassisch“ bezeichnen, in Kürze: Christus in der der Mitte in einer runden Mandorla, von Engeln und Heiligen umgeben, die in langen Reihen geordnet sind. Links unten befindet sich das Paradies mit der ersten

Ikone „Die Versammlung der Engel“ (16. Jh.)

Diese Temperamalerei auf goldenem Hintergrund hat den Titel „Die Versammlung der Engel“ und wird der russischen Schule der Ikonenmalerei zugerechnet. Sie zeigt eine Art himmlische Liturgie, bei der Engel und Heilige um Christus auf seinem Thron versammelt sind und das

Ikone des Weltgerichts, ehem. Erlöserkathedrale in Kansk (um 1770)

Die Kirchenkunstabteilung des Regionalen Museums für Heimatgeschichte Krasnojarsk mit Sitz in Moskau zählt zu den größten Sammlungen sibirischer Kunst und wächst seit 1903 stetig. Sie entstand durch Schenkungen privater Sammler, staatlicher Beschlagnahmung, Spenden aus Kirchen- und Klosterdepots sowie durch Sammlungen

Über mich

Dr. Claus Bernet

Um etwa 1990 begann ich, mich mit dem Thema Jerusalem zu beschäftigen. Die Stadt habe ich mehrfach bereist und Bücher zu diesem Thema verfasst; erwähnen sollte man vielleicht die Reihe „Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem“, den Band „Perlen des Neuen Jerusalem“ und meine Dissertation „Gebaute Apokalypse“. Zahlreiche Aufsätze erschienen immer wieder in Fachzeitschriften (Das Münster, Textilkunst International, Zeitschrift für Sepulkralkultur, u.v. a.). Mit meiner wissenschaftlichen Dokumentation von Jerusalems-Kunstwerken konnten bereits Ausstellungen und Museumskataloge unterstützt sowie Gemeinden bei der Anschaffung von geeigneten Kunstwerken beraten werden. Regelmäßig gebe ich auch Bildvorträge zu diesem Thema. Grundlage der Publikationen und der Bildvorträge sind meine fotografische Sammlung von inzwischen 6.000 Aufnahmen von Glasfenstern, Fresken, Mosaiken und anderen Kunstwerken.

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