Hildegard Bienen (1925-1990): Kirche St. Johannes Bosco in Lohfelden (1978)
Auf einer Anhöhe von Lohfelden südlich von Kassel glaubt man fast bereits das Himmlische Jerusalem vor sich zu haben, so kann die gewaltige Anlage von Kirche, Gemeindehaus und freistehendem Turm beeindrucken. Das umso mehr, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es hier nicht um die Versorgung einer Großstadt, sondern um eine ländliche Gemeinde mit etwa 2.400 katholischen Einwohnern geht. Ein Grund war die Finanzierung durch das Bonifatiuswerk, das oft als Geldgeber auftrat, wenn überdimensionierte Großkirchen geschaffen werden sollten, mit denen die Stiftung sich eine missionierende, ausstrahlende Wirkung erhoffte.

Der Bau ist 1977/78 entstanden und bekam den Namen St. Johannes Bosco, benannt nach dem italienischen Priester und Jugendseelsorger Don Bosco.
Im Innenbereich waren von Beginn an Oberlichter vorgesehen, die sich als Kranz unter der Dachkante um alle Seiten des Gebäudes ziehen. Sie haben eine fünfeckige Form und nehmen damit die Hausform vorweg, „im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“.

Acht Fenster befinden sich im Osten an der Altarseite. An der rechten Seite findet man sieben Fenster. Sechs Fenster kommen an der Westseite am Eingangsbereich dazu, und an der linken Seite sind es wieder sieben Fenster. Die unterschiedliche Zahl von acht (vorne) zu sechs Fenstern (hinten) erklärt sich dadurch, dass das Bauwerk gegen den Altarbereich auskragt und diese Erweiterung Platz schafft für jeweils zwei weitere Fenster, die in den Ecken versteckt sind und von der Gemeinde nicht von allen Bänken vollständig gesehen werden können.


Für die Gestaltung konnte man Hildegard Bienen (1925-1990) gewinnen, eine Expertin auf dem Gebiet der Oberlichtgestaltung, wie später in St. Antonius in Alstaden (1979), in der Friedhofskapelle in Marienthal (1979) oder in St. Suitbert in Gelsenkirchen (1985) – in allen diesen Kirchen hat Bienen das Motiv des Neuen Jerusalem dargestellt. St. Johannes Bosco in Lohfelden war Bienens bislang umfangreichster Großauftrag, für den sie mit der Glasmalerei von Josef Menke in Goch zusammenarbeitete, da ihr kleines Atelier in Hamminkeln mit der Herstellung überfordert war. Die Lösung für Lohfelden zeigt noch gewisse Schwächen eines Erstwerks, die Bienen bei den folgenden Oberlichtgestaltungen korrigierte. Zunächst fällt bereits beim Betreten der Kirch auf, dass die schmalen Oberlichter die gewaltige Halle selbst an Sonnentagen unzureichend beleuchten. Daher mussten zahlreiche Lampen angeschafft werden, die sich über den gesamten Raum verteilen. Es ist fast nicht möglich, die Fenster fotografisch einzufangen, ohne durch diese Lampen Beeinträchtigung zu erfahren.

Die Motive der Oberlichter sollen, so geht es aus den Unterlagen der Korrespondenz von Bienen mit dem Bistum hervor, das Himmlische Jerusalem zeigen. Die Motive verlieren sich jedoch in verschiedene Figuren, deren Bedeutung nicht immer klar wird. Ein einheitlicher Gesamteindruck mit einer klaren, sofort erkennbaren Aussage entsteht nicht. Auch fehlt ein Bezugspunkt oder eine Mitte der Anlage, was durch die eingangs erwähnten Vor- und Rücksprünge noch erschwert wird. Lebendige Elemente (bis auf einen Baum) fehlen, kristalline Strukturen lassen an die Perlen oder Edelsteine denken. Offensichtlich spielen die Tore eine Rolle. Drei befinden sich an der Altarseite, fünf an der Rückseite, zwei an der Seite links vom Altar und ein weiteres im Rücksprung links. Wo sich das zwölfte Tor befindet, bleibt ein Geheimnis. Mitunter wurden hier absichtlich lediglich elf Tore eingefügt, auch die Glasfenster der Medarduskirche in Bendorf, der Kirche St. Albert in Saarbrücken oder der Kirche St. Gertrud in Schuld an der Ahr zeigen Jerusalem mit elf Toren.
Heinz Rentmeister (Bearb.): St.-Johannes-Bosco-Gemeinde Lohfelden. Festschrift 25 Jahre. Neue Don-Bosco-Kirche, Erhebung zur Pfarrei und 53 Jahre Kirchengemeinde, Lohfelden 2003.



