Kirche Vieux Astre in Sepvigny (1500-1550)

Die Friedhofskapelle von Sepvigny, einem kleinen Ort bei Vaucouleurs im Département Meuse in der Region Lothringen, wurde Anfang des 13. Jahrhunderts an einem mittelalterlichen Straßenkreuz erbaut. Sie liegt zwischen den Feldern, abseits einer Bebauung, nahe an den Ufern der Mosel. Einst führte sie den Namen Vieux Astre, abgeleitet vom lateinischen Atrium, später auch Kapelle „Notre Dame des Sept Douleurs“. Einer lateinischen Inschrift nach wurde die Kirche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter Pfarrer Didier Plamoun mit Fresken ausgestattet. Der edle Stifter wurde, was für mittelalterliche Freskenmalerei ungewöhnlich ist, auf einer freien Wandfläche ins Bild gesetzt.

Direkt am Eingang, linke Wandseite, befindet sich auch eine Darstellung des Himmlischen Jerusalem im Rahmen eines Weltgerichts. Das Motiv zu dieser Zeit wird seltener; woanders wurden solche Malereien bereits übertüncht. In Sepvigny hingegen kam dieses Thema nochmals groß raus und zieht sich durch die gesamte Kirche: An der Ostseite erscheint über dem Altar auf einem Tonnengewölbe Christus als Weltenrichter, links wie rechts ist dort auch die Auferstehung der Toten dargestellt. Die Hölle hingegen zieht sich auf der Südseite die Wand entlang, direkt dem Himmlischen Jerusalem gegenüber gestellt.

Die Stadt ist dort als Kirchenbau dargestellt, mit mehreren Engeln auf einem balkonartigen Vorbau oder Altan in den Ecken des Kirchturmdaches (s.o.). Die spitzen Flügel sehen aus wie Pfeile und Bögen, doch die Engel sind unbewaffnet. Links vor der Pforte steht Petrus; er hat sie bereits aufgeschlossen und die Tür zur Seite geschoben. Im Türbogen betritt gerade eine nackte Frau die himmlische Stadt, möglicherweise Eva.

Umrisse einer weiteren Person erscheinen im Hintergrund: Adam. Allerdings erweckt es den Anschein, als würde die Person von innen nach außen treten. Vor die Pforte ist eine Freitreppe gesetzt, deren Stufen wechselweise gelbe und grünblaue Farben haben. Die Betonung der Stufen ist eine Besonderheit, die sich auf Wandmalereien und Miniaturen der letzten Jahrzehnte entwickelt hat, vgl. dazu die Fresken in Vadum, in Sillegny oder ein Gebetbuch aus Flandern. Auf der rechten Seite wacht ein Engel darüber, wer die Stadt betritt. Die Gruppe davor repräsentiert nicht mehr die mittelalterlichen Stände, sondern es sind jetzt Individuen mit eigenem Lebensschicksal, in diesem Fall eines mit gutem Ende.

Edouard Salin: Le vieux astre à Sepvigny et ses peintures, Nancy 1934.
Ilona Hans-Collas, Marie-Thérèse Camus: Les peintures murales de la chapelle du Vieux-Astre à Sepvigny, o.O. 1990.
Claus Bernet: Wandmalereien, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 17).

 

tags: Département Meuse, Region Grand Est, Weltgericht, Kapelle, Frühe Neuzeit, Deckenmalerei
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