Joseph Cuypers (1861-1949) und Jan Stuyt (1868-1934): St. Laurentius in Ginneken (1919)

Die römisch-katholische Kirche St. Laurentius in Ginneken, einem Stadtteil im Süden von Breda, war eine Gemeinschaftsarbeit von Joseph Cuypers (1861-1949) und von Jan Stuyt (1868-1934), ausgeführt 1901/02. Das Künstlerpaar war zunächst auch für die Konzeption der Vierung unter dem zentralen Turm verantwortlich. Mit der Ausführung war der Maler Jan Oosterman (1876-1963) beauftragt. Oosterman war aber gerade mit einer Jerusalemsdarstellung in der Katharinenkirche in Herzogenbusch beschäftigt und sagte überraschend ab. Wer anschließend, knapp zwanzig Jahre nach Erbauung, die Malereien ausführte, ist nicht bekannt. Sie sollen auf Entwürfen basieren, die bereits Cuypers und Stuyt vorgesehen hatten, die aber aus Kostengründen zunächst nicht umgesetzt werden konnten.

Die hölzerne Decke wurde mit einer Darstellung des Himmlischen Jerusalem ausgestaltet, stilistisch zwischen Historismus und frühem Art Deco. Die Malereien wurden unten im Kirchenschiff ausgeführt und dann mit einem Flaschenzug nach oben gehievt und montiert. Von unten sehen alle vier Seiten nahezu identisch aus, doch gibt es, wie wir sehen werden, durchaus Differenzierungen.

Die Stadtmauer im inneren Feld formt zunächst ein Achteck. An jeder zweiten Seite sind jeweils drei Tore gesetzt, denen in den Ecken grünliche Palmen auf rotem Grund vorgesetzt sind. Zwischen die Tore schiebt sich eine Mauer, die aus circa zwanzig Meter Entfernung wie ein Palisaden- oder Lattenzaun aussieht. Vor bzw. unter einem jeden Tor ist der Name eines Apostels eingeschrieben, zusätzlich auf jeder Seite die lateinische Bezeichnung für die jeweilige Himmelsrichtung, also Orient, Okzident usw., übrigens geographisch korrekt. Sie liegen auf einem goldgelben quadratischen Rahmen, der die eigentlichen Bildmotive vom roten Außenbereich abgrenzt. Der Raum über der Stadtmauer ist zum größten Teil wie ein blauer Sternenhimmel gestaltet, wobei die unteren Sterne größer aufgemalt sind, wodurch eine optische Krümmung und Räumlichkeit erzeugt wird. In die Mitte haben Cuypers und Stuyt ein Quadrat gesetzt, in welches ein zweites Quadrat eingefügt ist.

In den Zwickeln zwischen den Quadraten finden sich Objekte aufgemalt, die in enger Verbindung mit den Weltgerichtsdarstellungen stehen: Oben eine Tiara (als Verweis auf Petrus), links eine Lilie, rechts ein Schwert (beides als Verweis auf das Richteramt Christi) und unten der Thron des Lammes bzw. von Christus. Das innere Quadrat besteht aus drei verschränkten Ringen. Wir kennen dieses Symbol, welches die Trinität darstellen soll, bereits aus einer Malerei des Rathauses in Herzogenbusch. Hier wurde den Ringen drei Symbole eingesetzt, eine Taube (für den Heiligen Geist), eine segnende Hand (für Gott) und ein Kreuz (für Christus). Damit wird ein sinniger Bezug zum Eingangsbereich der Kirche herstellt, wo ebenfalls Weltgerichtsmotive den Besucher begrüßen: Über der Tür sind bemalte Kacheln gesetzt, wie das Lamm Gottes auf dem Regenbogen, die erwähnte Segenshand und das Alpha und Omega.

Grinneken in Ginneken. Een serie koste(r)lijke verhalen, uitgegeven ter gelegenheid van het 75-jarig bestaan van de Sint-Laurentiuskerk 1902-1977, Breda 1977.
Ben Hulshof: Laurentiuskerk Ginneken. Een iconografie, (Breda) 2012.
Claus Bernet: Denkmalschutz, Denkmalpflege und UNESCO-Weltkulturerbe, Norderstedt 2020 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 47).

 

tags: Deckenbild, Nordbraband, Niederlande, Art Deco, Achteck, Oktogon, Trinität, Sternenhimmel
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