In spätmittelalterlichen Stundenbüchern gab es drei Bildtypen, die das Neue Jerusalem visuell präsentieren: Entweder in Form von Monatsblättern als Kalender, oder auf Weltgerichten (Jerusalem links gegenüber der Hölle) oder auf Darstellungen der Lauretanischen Litanei, wo die Porta Coeli und die Civitas Dei das Neue Jerusalem pars pro toto markieren. Die Lauretanischen Litanei wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts vor allem in der Fassung von Thielman Kerver populär, auch wenn er nicht der Erfinder dieser Bildkonzeption war. Seine Zeichnungen zeigen die Himmelspforte immer oben links, die Stadt Gottes unten rechts. Auch die anderen Symbole hatten ursprünglich eine festgelegte Position, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte veränderte.
Neben den eher einfachen Kerver-Ausgaben gab es auch prachtvolle Miniaturbände mit der Lauretanischen Litanei in eben dem gleichen Aufbau. Eine genaue Übersicht gibt es noch nicht, folgende Ausgaben gehören dazu:
–MS Latin 1391 (um 1500)
-Fassungen Simon Vostre (1507/1518)
-Fassungen Gillet Hardouyn (ab 1510)
-MS Richardson 10 (um 1515)
-MS 1175 (um 1530)
–MS Latin 10563 (1531).

Ein letztes Stundenbuch, welches die Mariensymbole in der inzwischen schon gewohnten und weit verbreiteten Anordnung Kervers zeigt, erschien um 1531 (MS Latin 1175, BnF). Es war einst im Besitz des Gelehrten Étienne Alleaume, später gelangte es in die Pariser Bibliothek Arsenal, schließlich in die Französische Nationalbibliothek. Das ganze Blatt ist weniger stilistisch einheitlich als seine angeführten Vorgänger, so ist der goldene Hintergrund von fol. 59r noch mehr der Gotik verhaftet, während der opulente Rahmen bereits Merkmale der Frührenaissance aufweist. Die Architektur ist etwas schematisch; so sieht die Porta Coeli oben links fast ebenso aus wie der Mittelteil der Civitas Dei unten links. Biforienfenster, niedrige Türme und blaue Dächer kennzeichnen die Bauten beider Symbole, die alle in einem golden-bordeauxroten Schriftband im Stil des frühen 16. Jahrhunderts in Latein bezeichnet sind. Zusätzliche Farbakzente und vergoldete Ornamentik heben die Bezeichnungen besonders hervor.
Trésors de la bibliothèque de l’Arsenal, Paris 1980.



