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Luca Pinelli (1542-1607): „Libretto d’imagini“ (1594)

Die Grafik steht in der Tradition der im 16. Jahrhundert populären Epigramme, von denen ja eine ganze Reihe das Himmlische Jerusalem zum Thema haben. Dieses Exemplar ist in Neapel entstanden und wurde von den drei Brüdern Gioacomo, Carlino und Antonio Pace gedruckt. Man findet die Zeichnung auf Seite 14 des lateinischsprachigen Werkes „Libretto d’imagini e di brevi meditationi sopra i quattro nouissimi dell’huomo“. Es handelt sich also, dem Titel nach, um Frömmigkeitsliteratur der Gegenreformation, mit der Gläubige die zentralen Lehren der christlichen Religion in anschaulicher Art und Weise vermittelt bekamen. Verfasser ist Luca Pinelli (1542-1607), ein Jesuit. Keiner der acht Kupferstiche des Bändchens ist signiert, so dass wir nur vermuten können, dass sie von einem der Pace-Brüder stammen, die auch selbst in anderen Werken künstlerisch als Stecher hervortraten. Ähnlichkeiten zu einem Kupferstich von Hieronymus Wierix, der zeitgleich oder kurz danach entstand, sollen nicht verschwiegen werden.
Die massiven Quadersteine, die hohen Zinnen, die ausbuchtenden Rundtürme wie auch die zahlreiche Besatzung erwecken einen wehrhaften Eindruck und erinnern an die Glaubensburgen. Vielleicht erlaubt die Wehrhaftigkeit, dass die Pforte weit geöffnet ist. In ihr erscheint ein Engel mit einer Krone und einem Palmzweig. Diese beiden Symbole bezeichnen die Märtyrer, die direkt, ohne das Jüngste Gericht überstehen zu müssen, in das Himmlische Jerusalem gelangen. Das ist vor und über der Stadt dargestellt: Hier fliegen zahlreiche Engel und bringen kleine Menschen in die rettende Stadt. Das Thema Märtyrertum war gerade zu dieser Zeit wieder aktuell, die von blutigen religiösen Auseinandersetzungen der verschiedenen christlichen Konfessionen geprägt war. Davon war auch das Leben des Verfassers geprägt: Luca Pinelli wurde in Melfi (Basilikata) geboren, als Sohn einer Familie aus der Republik Genua. Schon als Jugendlicher trat er in die Gesellschaft Jesu ein, wo er bald Theologie und Philosophie lehrte. Anschließend wurde er nach Deutschland und Frankreich geschickt, um dort den Protestantismus zu bekämpfen. So lehrte er von 1575 bis 1577 Theologie an den Universitäten Ingolstadt und von 1577 bis 1580 in Pont-a-Mousson, wo er besonders die Schriften des Thomas von Aquin propagierte. Nach Italien zurückgekehrt, wurde Pinelli Rektor an den Hochschulen von Florenz, Perugia und schließlich Palermo, wo er die meisten seiner asketischen Schriften verfasste. Gegen Lebensende zog er nach Neapel, wo er 1607 verstarb.

Luca Pinelli: Libretto d’imagini e di brevi meditationi sopra i quattro nouissimi dell’huomo. Con alcvne altre meditationi accommodate per fare entrare la persona in se stessa, Napoli 1594.
John Richard Roberts: A critical anthology of English recusant devotional prose, 1558-1603, Pittsburgh 1966.

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tags: Jesuit, Gegenreformation, Glaubensburg, Festung, Seelenrettung, Neapel, Kampanien, Italien, Kupferstich, Frühe Neuzeit, Frömmigkeitsliteratur
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