Heinz Heiber (1928-2003): Jerusalems-Plastik aus der Nikodemuskirche in Nürnberg (um 1995)

Die evangelische Nikodemuskirche entstand nach Plänen des Architekten Reinhold Büttner zwischen 1966 und 1968 in Nürnberg-Röthenbach. Der unverputzte, rote Backstein prägt den polygonalen Innenraum mit einem Dach in Zeltform und einem schalen umlaufenden Fensterband. Für die Innengestaltung stand der Bildhauer Heinz Heiber (1928-2003) in Verantwortung, der das Thema Himmlisches Jerusalem bereits in den 1960er und 1970er Jahren aufgegriffen hatte. Für die Nikodemuskirche entwarf er Ende der 1960er Jahre zunächst den Altar, den Taufstein und dann die Kanzel, quasi die Grundvoraussetzung für einen ordnungsgemäßen Gottesdienst. Von Beginn an war auch eine bildhauerische Ausgestaltung der Wände angedacht, was jedoch aus Kostengründen zunächst nicht umgesetzt werden konnte. Noch um 1995 wurden, nach älteren Entwürfen, unter anderem die Plastik „Neues Jerusalem“ in Gips angefertigt. Der spätere Guss aus Bronze sollte etwa drei Mal so groß werden.

Es handelt sich um ein sogenanntes „Jerusalemkreuz“, also um ein großes Hauptkreuz, in dessen vier Flächen zwischen den Balken weitere vier Kreuze eingesetzt sind. Angeblich stehen diese insgesamt fünf lateinischen Kreuze für fünf Wunden, die Christus bei der Kreuzigung erlitten hat (in Wirklichkeit waren es viel mehr, man denke nur an die Dornenkrone). Heiber setzt nun dieses Kreuz nicht mit dem historischen, sondern dem himmlischen Jerusalem in Beziehung – eine Verknüpfung, die sich erstmals bei einem Glasfenster aus den 1950er Jahren in Eschweiler findet. Die apokalyptischen Elemente, die den Bezug zum Neuen Jerusalem herstellen, sind die Folgenden:
-das Lamm Gottes in der Mitte, auf einem Regenbogen mit der Siegesfahne;
-die zwölf Tore, die als Blöcke an den äußeren Rand der Plastik gesetzt sind (jeweils drei an den vier Seiten);
-die vier kleinen Kreuze, die laut einem Infomationsblatt der Gemeinde „an die Gassen der Stadt erinnern“;
-das Alpha und Omega, das zwei der erwähnten Tor-Blöcke aufgesetzt wurde.
Die Plastik Heibers wurde aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht. Man hat sich aber entschlossen, die Gips-Entwürfe an der dafür vorgesehenen Stelle im Kirchenraum aufzuängen. Um den Bronzeton zu imitieren, hat man sie mit goldener Farbe bemalt. So findet man die Jerusalems-Plastik jetzt an dem Wandsegment rechts der Kanzel, wo es sich mit seinem Goldton hervorragend vom warmen steinernen Untergrund abhebt.

Da heute die christliche Ikonographie solcher Arbeiten nur noch wenigen Besuchern vertraut ist, hat man später unter die Plastik eine erklärende Plakette hinzugefügt: „Das Neue Jerusalem – Die Stadt Gottes Offb. 21“.

Nikodemus-Kirche Nürnberg-Röthenbach, Landau 1967.
Benjamin Schimmel: Die Nikodemuskirche, Nürnberg 2025.

 

tags: Jerusalemkreuz, Bronzeplastik, Entwurf, Nürnberg, Mittelfranken
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