
Manfred Espeter (1930-1992): St. Bartholomäus in Marl-Polsum (1967)
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Claus Bernet
- Dezember 13, 2021
In Marl-Polsums römisch-katholischer Kirche St. Bartholomäus wurde im Jahr 1967 ein Fenster mit dem Lamm im Himmlischen Jerusalem gestaltet. Man findet das Werk von Manfred Espeter (1930-1992), ein deutscher Glasmaler und Bildhauer, der hier das erste und letzte Mal in seinem Schaffen das Neue Jerusalem in Glas dargestellt hat. In der Mitte der 1960er Jahre waren elektrische Schaltkreise der letzte künstlerische Schrei. Eine ganze Reihe von Darstellungen des Himmlischen Jerusalem ist damals so dargestellt worden, u.a. von Fritz Baumgartner, Reinhold Petermann und vor allem von Franz Pauli. In deren Arbeiten reiht sich das Fenster von Espeter ein.
Seine Arbeit auf der Orgelempore besteht aus dunkelfarbigem Antikglas, Blei, Schwarzlot und Glasbrocken. Ähnlich wie bei mittelalterlichen Beatus-Darstellungen sind die Torseiten nach außen geklappt, zu Dreiergruppen an den vier Seiten. Das verleiht der Stadt einen offenen Eindruck, als würde man in eine geöffnete Kiste von oben hineinsehen und als Überraschung das Lamm sehen, das mit dem Betrachter unmittelbar Kontakt aufzunehmen scheint. Um sein Haupt kreist ein Nimbus aus roten Farbtupfern, umgeben ist das Lamm von dunkelblauen Scheiben – diese beiden Farben findet man auf Glasdarstellungen des Neuen Jerusalem oftmals. Ebenso entspricht die goldgelbe Füllung der zwölf Tore dem ungeschriebenem Kanon. Rasterartige Verbindungen, vornehmlich horizontale Linien wie auch Kontenpunkte findet man vor allem im Außenbereich vor der Stadt.
Bernhard Schütz: Polsum. Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus, München 1970.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).