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Heinz Borchers (1898-1972): Jerusalemsfenster aus St. Jacobi in Kiel (1968)

Nach schwerer Kriegszerstörung wurde die Kieler Jakobikirche zwischen 1952 und 1954 durch Gerhard Langmaack aus Hamburg in reduzierter und vereinfachter Form wieder aufgebaut. Das Himmlische-Jerusalemsfenster wurde, wie auch das Jakobus-Fenster, von dem Bremer Maler Heinz Borchers (1898-1972) entworfen. Der Maler und Zeichner ist kaum bekannt, er war ein Schüler von Johannes Itten und Lyonel Feininger, deren Vorbildfunktion sich stilistisch auch in diesem Kunstwerk widerspiegelt. Glasfenster hat Heinz Borchers nur selten entworfen, das Neue Jerusalem nur ein einziges Mal.

Wegen verschiedener Umplanungen und einer ungesicherten Finanzierung konnten die Arbeiten in Kiel erst im Jahr 1968 abgeschlossen werden. Das Grundprinzip sind konzentrische Kreise, wie auf Arbeiten zum Thema zuvor, im Mittelalter in MS 99, im Barock von Carlo Nuvolone und Antonio Nuvolone in Son Martegn, in der Moderne von Clemens Hillebrand in Ettlingen.
Die Tore der himmlischen Stadt sind in St. Jacobi dabei derart in einen inneren Kreis gesetzt, dass dabei Dynamik und Bewegung entsteht, wie es kaum ein anderes Kunstwerk dieses Themas hervorruft. Es sind hier sieben Tore mit einem einfachen Rundbogen und einem Treppengiebel versehen, die durch Mauern verbunden wurden und einen Kreis ergeben. Aus den Toren strahlt helles Licht und bildet einen zweiten Kreis um die Stadt. Fächerartig wechseln sich helle weißgelbe mit dunklen blauschwarzen Scheiben ab. Im Inneren der Stadt befindet sich nicht etwa das Christuslamm, sondern keine figürliche Darstellung. Diese Leere irritiert, denn nach den detailreichen Toren, bei denen man sogar die einzelnen Steine sehen kann, erwartet man in der Mitte eine Steigerung. Erst auf den zweiten Blick erkennt man schwarze Linien, die ein Dreieck ergeben, die mit einem Winkel bereits den inneren Kreis verlassen. In dem Dreieck fällt ein blauer Kreis auf: es handelt sich um eine symbolische Darstellung des göttlichen Auges im Trinitätsdreieck.

Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).

 

tags: Schleswig-Holstein, Kiel, Trinität, Dreieck, Wiederaufbau, Rundfenster
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