Wilhelm Schiller: Hoffnungsfenster von St. Markus in Nürnberg-Gibitzenhof (1965)

Wie die meisten Kirchen Nürnbergs hat auch die evangelische Kirche St. Markus im Stadtteil Gibitzenhof im Zweiten Weltkrieg ihren gesamten Bestand an historischen Buntglasfenstern verloren. Nach der Beseitigung der schweren Zerstörungen vom 19. Oktober 1944 und der neuen Kircheneinweihung 1952 dauerte es nochmals über zehn Jahre, bis man die künstlerische Fenstergestaltung angehen konnte. Dabei ging es um ein schmales, aber raumbestimmendes Fenster hinter der Empore an der Ostwand.

Der Kirchenvorstand diskutierte dieses Vorhaben erstmals auf seiner Sitzung im April 1964. Zu dieser Sitzung lag bereits ein Entwurf von Alfons Abel aus Nürnberg vor, der Sohn des bekannteren Glasmalers Christian Abel. Sein Entwurf, der bereits Motive aus der Johannesoffenbarung aufnahm, stieß nicht einhellig auf Zustimmung, sondern wurde als zu düster empfunden. Daher wurden weitere Entwürfe herangezogen, so von Wolfgang Fries und von Wilhelm Schiller, ein Bildhauer und Maler aus Schwabach. Es wurde sogar angeregt, deren Entwürfe samt Erklärungen in der Kirche aufzustellen, um die Meinung der Kirchenmitglieder mit einzubeziehen. Ob es zu diesem Wettbewerb tatsächlich gekommen ist, wissen wir nicht – erwiesen ist aber, dass der Schillers Entwurf den Zuschlag erhielt und dann den Mitgliedern in der Gemeindezeitung der Kirche vorgestellt wurde. Die Herstellung erfolgte dann im April bis Juni 1965; am 14. und 15. Juni 1965 wurde es unter Anwesenheit des Künstlers eingebaut.

Im unteren Bereich, aufgrund der erwähnten Empore leider verdeckt, haben sich Menschen auf dem Weg in die Himmelsstadt versammelt. Hinter ihnen liegen Ruinen der untergehenden alten Welt, die Assoziation an die Ruinen der Nürnberger Innenstadt 1944/45 liegt nahe. Darüber ist ein kleiner Wald mit einem Bach gesetzt: Dieses steht für den Baum und das Wasser des Lebens, was bereits zur neuen Welt des Himmlischen Jerusalem gehört. Es folgt nach oben noch eine violette Zone mit Patene und Kelch, die aussagen soll, dass durch das Abendmahl der Christ Teil der Heilsgemeinschaft ist. Darüber erheben sich die zwölf offenen Tore der Stadt, mit breiten Bögen, die sich teilweise überschneiden. Durch seine einheitliche Farbmarkierung in Gelbbraun sind sie gut auszumachen. Es folgt eine weitere Gruppe von Menschen, die mit Kronen als Märtyrer ausgezeichnet sind, darüber das weiße Lamm und eine „Auferstehungssonne“.

Rüdiger Kretschmann: Geschichten um den Kirchenturm St. Markus. Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Markuskirche, Nürnberg 2004.

 

tags: Hoffnungsfenster, Abendmahl, Nürnberg, Mittelfranken
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