Ernst Alt (1935-2013): Tabernakel der Kirche St. Erasmus in Heusweiler-Eiweiler (1961)
Auf Anfrage ließ der Künstler zu diesem Tabernakel eine Reihe von Überlegungen zukommen, von denen einige zentrale herausgegriffen werden, die bewusst am Anfang stehen sollen:
1. „Hier wurden bereits Überlegungen aufgegriffen, die vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils diskutiert wurden. Es ging um eine Allsichtigkeit des Heiligen für alle an der Messe Teilnehmenden, daher verbot sich eine Schau- oder Vorderseite. Das Numinose sollte für Priester wie für das Volk gleich sichtbar sein“.
2. „Auch damals standen nicht so viele Mittel zur Verfügung, wie man heute zu meinen glaubt. Bei diesem Werk wird das besonders deutlich: Die Kristalle waren Reste von einer Marienkirche in Furpach (Saarland, C.B.); die vergoldeten Mosaiksteine waren übrig von einer Friedhofskapelle, die einige Jahre in meiner Werkstatt zwischenlagerten. Ein stehendes Lamm, das im Entwurf noch vorgesehen war, wurde aus Kostengründen gestrichen“.
3. „Zunächst war der Tabernakel für eine andere, kleinere Kirche im südlichen Hunsrück vorgesehen. Von den Proportionen sieht man deutlich, dass das Werk für einen niedrigeren Raum gedacht war. An seinem jetzigen Standort kann es sich nicht in die Tiefe des Raumes behaupten; er müsste eigentlich doppelt so hoch sein, um aus der letzten Reihe noch gesehen zu werden. Der massive steinerne Sockel verstärkt diesen Eindruck nur noch“.

Es handelt sich bei dem erwähnten Kunstwerk um einen Tabernakel aus der Werkstatt des Künstlers Ernst Alt (1935-2013) für die Pfarrkirche St. Erasmus in dem Ort Eiweiler. Hergestellt wurde das Werk nach einer längeren Vorplanung Ende der 1950er Jahre im Winter 1960/61. Die Arbeit aus vergoldeten Glasmosaiken, zwölf geschliffenen Bergkristallen und einem Bronzecorpus hat die Maße 30 x 66 Zentimeter. Vom ersten Entwurf an war der Arbeitstitel „Himmlisches Jerusalem“. So sind an den vier Seiten Streifen der Stadtmauer mit jeweils vier Perlentoren zusehen. Die vier Seiten sind fast gleich. Allein links vorne und rechts vorne ist die Mauer zum Rand des Bronzegestells um ca. einen Zentimeter verkürzt, damit die zwei Flügel der Vorderseite (zur Gemeinde hin) geöffnet werden können.


Oben wie unten bricht die Mosaik-Stadtmauer ab und gibt die Sicht frei auf das beschlagene Bronzegehäuse.
In Eiweiler, einem Ortsteil von Heusweiler im Saarland, war schon um 1330 eine erste Kirche vorhanden. Um 1960 mussten angeblich Erweiterungen vorgenommen werden, weil die Platzverhältnisse nicht ausreichten – heute wirkt der Bau überdimensioniert und ist für die schrumpfende Gemeinde zu groß. Lediglich der Chor des Vorgängerbaus blieb damals erhalten, das Kirchenschiff mit zwanzig unverkleideten Seitenbetonscheiben wurde von den Architekten Werner Krauser und Bernhard Kiwitter aus Saarbrücken neu angebaut. Die gleiche Radikalität zeigte sich bei den liturgischen Geräten; das Alte wurde abgelehnt, nicht nur der Tabernakel, sondern auch der Altar, das Hängekreuz, die Orgel und anderes mussten unbedingt neu sein. Da längere Zeit unklar war, welcher Tabernakel hier zum Einsatz kam, dauerte es bis zum März 1962, als dann das Modell „Himmlisches Jerusalem“ feierlich eingeweiht wurde, ein Monat darauf der neue Kruzifixus.
Chronik katholische Kirche Eiweiler St. Erasmus, Stuttgart 1963.
Armin Schmitt (Hrsg.): Mnemosyne. Der Maler und Bildhauer Ernst Alt, Blieskastel 2002.



