Gunda Schihan (1921-2006): Relief an der Erlöserkirche Mauerkirchen (1962)

Gunda Schihan, geboren 1921 in Ried im Innkreis (Oberösterreich), kam früh zur Keramikkunst, der sie ihr Leben lang treu blieb. Im Alter von 16 Jahren machte sie in München 1937 bei Hans Eska eine Töpferlehre, anschließend studierte sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien und schloss als Diplomkeramikerin ab. In der Marktgemeinde Mauerkirchen (Oberösterreich im im Bezirk Braunau) eröffnete sie 1946 ihre erste eigene Werkstatt als freischaffende Künstlerin; später, ab 1968, hatte sie in Braunau in der Bahnhofstraße ein Atelier. In die Region kamen in der Nachkriegszeit auch vermehrt Evangelische aus den ehemaligen Ostländern der Donaumonarchie (Siebenbürgen, dem Banat und der Batschka), die Gemeinden wuchsen. So wurde es möglich, dass in Mauerkirchen zwischen 1960 und 1962 von evangelischen Gemeindemitgliedern in Eigenregie eine kleine Kirche errichtet wurde, die den Namen Erlöserkirche bekam. Der nüchterne Bau ist mit wenigen Kunstwerken ausgestattet. Darunter ist sicherlich das Bekannteste ein Relief an der westlichen Außenfassade direkt über dem Haupteingang.

Es ist kein Zufall, dass hier das Neue Jerusalem gezeigt wird: Seit der Abteikirche von Conques (1107-1125), wo sich dieses erstmals nachweisen lässt, wird im Tympanon gerne das Neue Jerusalem gezeigt. Es ist nicht nur ein Symbol nach außen, sondern zeigt den Gläubigen auch die Grenze von profanem zu säkularem Bereich an.

In Mauerkirchen kann dieses Keramik schon von weitem aus gesehen werden, obwohl Menschen, die mit der christlichen Ikonographie kaum mehr vertraut sind, denken, hier wird ein Lamm im Blumenstrauß, umgeben von Tulpen, gezeigt. Tatsächlich ist im Zentrum ein Lamm zu sehen, als Verweis auf Christus mit der Siegesfahne. Es ist an jeder Seite von drei ockerfarbenen Türmen umzogen, die eine einfache Rundbogenpforte besitzen. An drei Seiten sind die Tore geschlossen, nur die drei an der oberen Seite sind geöffnet.

Gunda Schihan stand zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Arbeit auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens, sie erhielt auf der Internationalen Keramikausstellung in Prag die Goldmedaille, hinzu kamen weltweit Beteiligungen an Ausstellungen in Mailand, Brüssel, Chicago, Toronto, Montreal oder Johannesburg. In einem Rückblick erinnerte sie sich 1996: „Das Kunstwerk hat unser Atelier an die Grenzen des Möglichen gebracht. Fast vierzig Einzelteile wurden im Sommer 1961 hergestellt, von einer Schülerin bemalt und im kommenden Frühjahr vor Ort zusammengesetzt. Die Gemeinde war an mich mich herangetreten, etwas ‚modernes‘ zu schaffen, was dem Thema Erlösung gerecht werden sollte. Ein segnender Christus wurde verworfen, die Gesichtszüge schienen nicht passend. Das Lamm hat sogleich begeistert und eigentlich alle waren vom Ergebnis überzeugt, dass dieser Willkommensgruß doch etwas ist, mit dem Evangelische einladen und sich zeigen können. (…) In Österreich hatten wir ja nicht die Mittel und Möglichkeiten wie die katholische Kirche. Wir waren damals froh, dass diese Kirche überhaupt errichtet werden konnte“.

Michael Kind: 30 Jahre evangelische Erlöserkirche Mauerkirchen, 1960-1990. Geschichte und Berichte, Braunau am Inn 1990.
150 Jahre evangelische Kirche Braunau am Inn: Braunau am Inn, Mauerkirchen, Hochburg-Ach, Riedersbach, Altheim, Braunau am Inn 2016.

 

tags: Keramik, Oberösterreich, Lamm, Siegesfahne
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