Paul Abadie (1812-1884): Fünf Jerusalemsleuchter aus der Kathedrale St. Front in Perigueux (1852)

St. Front (benannt nach einem legendären frühchristlichen Bischof) in Perigueux (Aquitanien) ist die Bischofskirche des gleichnamigen Bistums. Die mächtige Kathedrale mit romanischen und byzantinischen Elementen erhielt im Jahr 1897 von Papst Leo XIII. den Titel einer päpstlichen Basilica minor. Sie hat hat die Form eines griechischen (gleichschenkeligen) Kreuzes mit fünf Kuppeln, ähnlich wie der Markusdom in Venedig.
Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche über dreißig Jahre, von 1852 bis 1884, durch den Architekten Paul Abadie (1812-1884) renoviert und umgebaut. Noch bevor jedoch die fünf Kuppeln auf 13 Metern Durchmesser vergrößert wurden hatte Abadie für eine bessere Beleuchtung der Räume darunter gesorgt: 1849 war er zum Beauftragten der königlichen Kommission für Kirchenkunst und Kirchenbau ernannt worden. In dieser Funktion oblag es ihm, eine eindrucksvolle Beleuchtung für die kirchliche Trauung von Napoleon III. und Eugénie de Montijo in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Fünf Leuchter wurden über das Jahr 1952 hinweg entworfen und in einer Pariser Gießerei hergestellt. Nach der Trauung gelang es Abadie, die fünf Leuchter für Perigueux zu erwerben, wo er als Diözesanarchitekt angestellt war. Von Anfang an war vorgesehen, diese Leuchter unter den Kuppeln so zu verteilen, dass nach den Renovierungen sich die Beleuchtungssituation deutlich verbessern sollte – zuvor war mehrfach die Dunkelheit der hohen Hallen bemängelt worden. Theologisch stand der Bezug zum Himmlischen Jerusalem fest, obwohl sich ein Zusammenhang dieser Thematik mit einer Hochzeit nur herstellen finden lässt. Vielmehr hatten die Leuchter, laut Abadie, eine mehr sensualistische Funktion, die eigentlich auch wahrgenommen werden kann, wenn man die christlichen Symbole gar nicht kennt oder versteht: „Les tours, les murs, les ornements et les bougies dorés sont destinés à rappeler au visiteur qu’il se trouve ici en évocation de sa véritable destination : la Nouvelle Jérusalem. La figure du Christ au Temple est entourée de quatre autres luminaires, inspirés des quatre évangélistes ; chacun d’eux descend de la coupole, baignant les courbes de l’édifice d’une lumière céleste, presque magique“. Heute, wo die Kerzen längst durch elektrisches Licht, welches aus Sparsamkeitsgründen fast immer aus ist, ersetzt sind, kann dies nur noch teilweise nachvollzogen werden. Jedoch fällt weiterhin beim Betreten der Kathedrale, egal von welcher Seite, der gewaltige Jerusalemsleuchter mit seinem doppeltem Reif, der an über zwanzig Zugseilen hängt, sofort ins Auge.

Der größere, untere Reif ist mit zwölf Türmen besetzt, unterbrochen durch ornamentiertes Mauerwerk aus vergoldeter Bronze. Auf diesem Mauerwerk sind kleinere Türme mit Lichtern zu finden, im Rhythmus 1:2. Übrigens endet das Mauerwerk hier einmal nicht mit Zinnen, sondern stilisierten Blumen mit einem roten Glasstein.

Nach oben, bereits über dem zweiten Reif, zeigt sich ein rechteckiger Bau, mit drei verjüngenden Stockwerken. Besetzt ist dieser Bau mit seitlich vier Türmen und einem weiteren Turm auf dem Dach. Damit nehmen diese exakt die Anordnung der Leuchter im Raum auf. Der Bau ist mit Arkaden, Biforienfenstern und Verzierungen überzogen und findet sich allein im zentralen Hauptleuchter. Die vier „Nebenleuchter“ sind wesentlich kleiner. Sie gruppieren sich an den vier Himmelsrichtungen um den zentralen Leuchter. Sie alle haben einen Reif, der mit zwölf Türmen besetzt ist. Die Zwischentürme fehlen auf den vier Leuchtern ebenso wie die roten Glassteine auf der Mauerkante.

Jean Secret: Restauration de Saint-Front au xixe siècle, in: Monuments historiques de la France, juillet-septembre 1956, S. 145-156.
Jean Secret: Deux lettres d’Abadie l’architecte de Saint-Front à Périgueux, in: Bulletin de la Société historique et archéologique du Périgord, 1958, Bd. 85, S. 150-154, 1959, Bd. 117, Nr. 2, S. 135-136.
Pierre Pommarède: Sur un registre de la fabrique de Saint-Front (1837-1857), in: Bulletin de la Société historique et archéologique du Périgord, 1997, Bd. 124, S. 301-318.
Claude Laroche: Saint-Front de Périgueux, la restauration du xixe siècle, in: Congrès archéologique de France, 156e session, Périgord 1999, S. 267-280.

 

tags: Jerusalemsleuchter, Bronze, Aquitanien, Frankreich, Historismus
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