Carlo Nuvolone, Antonio Nuvolone: Son Martegn (1681)

In der römisch-katholischen Kirche Son Martegn in Savognin im Kanton Graubünden befindet sich eine der beeindruckendsten barocken Gesamtkonzeptionen einer Deckenmalerei mit dem Himmlischen Jerusalem. Über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes erhebt sich eine flache Kuppel. Das Deckengemälde von den Malern Carlo (um 1608-1609) und Antonio Nuvolone aus Mailand breitet sich auf einer Fläche von über einhundert Quadratmetern aus. Die zwölf Tore sind geschickt in die Gurt- und Jochbögen genommen, so dass zum Kuppelfeld hin eine räumliche Perspektive entsteht. An den Schmalseiten wurden zwischen den Toren, die offen stehen, grünfarbene Edelsteinapplikationen aufgemalt. Eigenwillig sind die lateinischen Beschriftungen. Bei denjenigen an den Figuren handelt es sich nicht um die dargestellten Personen, sondern um Tugenden oder Eigenschaften der Kirche, wie Potestate, Principatus, Virtutes etc. Bei den Beischriften der Tore handelt es sich nicht etwa um die zwölf jüdischen Stämme, sondern um Winde (Aquilo, Austro, usw.).
Die klassizistischen Tore verraten die Kenntnis der „Vitam Aeternam“ in der Fassung von Caprioli (1616). In das Zentrum der Kuppel ist eine Trinitätsdarstellung gezeichnet, um die sich mehrere konzentrische Kreise legen. Diese sind angefüllt mit unzähligen Engeln, Aposteln, Heiligen, Päpsten, Kirchenstiftern und Mönchen als den Bewohnern der Himmelsstadt.

Sur Gieri Cadruvi: Drei Barockkirchen in Savognin, Passau 1993 (Peda-Kunstführer, 71).
Il Seicento lombardo: giornata di studi. A cura di Mina Gregori e Marco Rosci, Torino 1996.
Claus Bernet: Neues Jerusalem in Österreich, der Schweiz und der Alpenregion. Ein Kunstreiseführer, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 18).

 

tags: Fresko, Deckenmalerei, Barock, Tugend, Wind, Vitam Aeternam
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