Die römisch-katholische Kirche Saint-Paul-Saint-Louis ist eine in den Jahren 1627 bis 1641 im Jesuitenstil erbaute Pfarrkirche im vierten Arrondissement von Paris. Im Inneren zeigt die Decke der linksseitigen Kapelle Notre-Dame-des-Sept-Douleurs (Kapelle zu den sieben Schmerzen der Jungfrau) vier verschiedene Symbole der Lauretanischen Litanei, wie den Brunnen, die Lilie, den Marienstern und die Fontäne.

Eines dieser Symbole ist gewöhnlich die offene, oder hier geschlossene Pforte (Porta Clausa). Das Besondere an diesem Beispiel ist die meisterhafte Ausführung in Stein, wobei wir leider den ausführenden Steinmetz ebenso wenig kennen wie den Architekten des Entwurfs. In Frage kämen die jesuitischen Baumeister Étienne Martellange oder François Derand, die den gesamten Kirchenbau einheitlich entworfen haben.

Obwohl es sich um einen bedeutenden Bau der Hauptstadt Frankreichs handelt, gibt es so gut wie keine neuere Forschungsliteratur. Die weiter daran beteiligten ausführenden Künstler, etwa Maler oder Bildhauer, sind daher namentlich kaum bekannt.
Es handelt sich bei der Darstellung des Himmlischen Jerusalem um das zentrale, quadratische Deckenfeld, welches von vier Gewölbebögen mit den genannten vier Mariensymbolen umgeben ist. Hier symbolisiert die Pforte pars pro toto die Himmelsstadt. Der apokalyptische Kontext wird noch hervorgehoben durch stilisierte Gestirne (Mond und Sonne, Wolken), die um die Pforte angeordnet sind.

Die kreisförmigen Gebilde in den Ecken, die durchaus wie Mondsicheln aussehen, sollen vier Wolken darstellen. Links mit menschlichem Gesicht und Strahlen findet sich die Sonne, rechts der Mond. Die Pforte an sich ist überaus realistisch im Renaissancestil dargestellt, im unteren Bereich sorgt eine Art Gitter, vermutlich einen gepflasterten Boden darstellend, für Plastizität und Proportionalität. Solche Türen mit Kassetten waren für die Frühe Neuzeit typisch, man findet sie auch auf Ölmalereien oder Zeichnungen der Maria Immaculata (etwa von Raphael Sadeler d. J., von Juan Sariñena oder auf einer Ölmalerei aus der Colección Orden Dominica in Chiquinquirá). Was ich nur aus Saint-Paul-Saint-Louis kenne, ist ein eiserner Türgriff, der suggeriert, man könne durch sein Drehen die Pforte öffnen und in das Neue Jerusalem eintreten – eine von der Inszenierung her gesehen bereits barocke Zutat.
François Michel Denis de Hansy: Notice historique sur la paroisse royale Saint-Paul Saint-Louis, Paris 1842.
Eugène de Ménorval: Les Jésuites de la rue Saint-Antoine, l’église Saint-Paul-Saint-Louis et le lycée Charlemagne, Paris 1872.
Martine Constans: L‘ église Saint-Paul-Saint-Louis de Paris, Paris 1977.



