Saint-Gervais-Saint-Protais: Orgelfenster für die Kirche Saint-Gervais-Saint-Protais in Paris (2000-2003)
Für die römisch-katholische Kirche Saint-Gervais-Saint-Protais in Paris (viertes Arrondissement; Paris IV), benannt nach den beiden Heiligen Gervasius und Protasius, schuf der Glasmachermeister und Restaurator Claude Courageux (geb. 1938) um die Jahrtausendwende eine Serie von Buntglasfenstern. Die neuen Werke wurden damals gefeiert und breit diskutiert, zum einen sicherlich wegen ihrer künstlerischen Qualität, dann aber auch, weil es im modernen Paris so gut wie nicht mehr vorkommt, dass Verglasungen dieser Größenordnung von Kirchengemeinden finanziert werden können. Die Motive sind dagegen eher traditionell und lassen sich auch anderswo finden: Adam und Eva, die Arche Noah, die großen Patriarchen des Alten Testaments (etwa Moses oder Elias). Es stand aber auch fest, dass die Motive vom Beginn des Alten Testaments durch Motive aus dem Schluss des Neuen Testaments ergänzt werden sollten. Insbesondere die Fraternité de Jérusalem wirkte daraufhin, dass in Saint-Gervais-Saint-Protais auch das Neue Jerusalem unter die Motive aufgenommen werden sollte.
Die Konzeption der umfangreichen Neuverglasung ging bis in das Jahr 2000 zurück, als die Entwürfe abgeschlossen und präsentiert wurden. Die anschließende Umsetzung und der Einbau zog sich dann über mehrere Jahre fort. 2003 konnte das Jerusalemsfenster eingeweiht werden. Es hat seinen Platz hoch über der Orgel, aus verschiedenen Gründen:

1. Die Westseite mit der Orgel befindet sich über dem Haupteingang, traditioneller Weise ist dies ein Ort, wo seit dem Mittelalter, meist auf einem Tympanon, das Neue Jerusalem thematisiert wird. 2. Die große Orgel mit der Assoziation zur Himmelsmusik ist ebenfalls ein beliebter Anlass, dieses Thema wählen. 3. Das Fenster, aus dem gesamten Hauptschiff aus gut zu sehen, sollte alle Besucher beim Verlassen der Kirche auf die christliche Zukunftshoffnung hinweisen – gleichzeitig sollten die Details aus der Entfernung absichtlich ungenau sein – von der zukünftigen Stadt soll man sich nicht zu genaue Vorstellungen machen.
Dennoch ist von der Orgelempore aus die Grundkonzeption zu erkennen: die gelben, rund gebogenen Tore sind frei stehend im Quadrat angeordnet, sie scheinen im Licht zu schweben. Ihre Anordnung ist zudem so gelegt, dass an jeder Seite vier Tore erscheinen, insgesamt aber die Zahl zwölf nicht überschritten wird.

Zwischen den Toren ist jeweils ein Farbglas in Rautenform gesetzt, der für die Edelsteine steht. Was sich im Zentrum der Stadt befindet, ist leider durch den gotischen Pfeiler verdeckt. Zu seinen Seiten kann man ganz schwach klassische Architekturelemente entdecken, wie mit einem Bleistift filigran in den weißen Hintergrund eingefügt. Über der Stadt schwebt ein Tier mit einem dreieckigen Kopf (das Lamm Gottes), dahinter steht eine menschliche Figur, vermutlich Gott. Damit ist auf die Trinität angespielt. Lamm = Christus; Dreieck = Heiliger Geist und schließlich stehende Figur = Gott.
Der dunkle Rotton um die Stadt ist an einigen Stellen durchbrochen. Dort scheinen strahlend weiße Engel umherzufliegen. Dieser Eindruck täuscht: in Wahrheit handelt es sich um schwere Beschädigungen in Folge eines Hagelsturms im Jahr 2025. Die geplante Sanierung ist Gegenstand von Spendenaufrufen durch die Fondation Avenir du patrimoine à Paris. Die erste Phase des Projekts wird auf 320.000 Euro geschätzt.

Diese Aufnahme zeigt das Fenster oben zusammen mit einer erklärenden Tafel unten, die z.T. als Grundlage dieses Textes diente.
L’Église Saint-Gervais. Sources Vives – Fraternités Monastiques de Jérusalem, Paris 2001.
Aline Dumoulin, Alexandra Ardisson, Jérôme Maingard, Murielle Antonello; Recognizing Paris, from church to church, Paris 2008.
Jean-François Lagneau: L’église Saint-Gervais-Saint-Protais, Paris, in: Monumental, 2003, S. 154-155.



