Fresko aus St. Georgen ob Judenburg (13. Jh.)

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde St. Georgen ob Judenburg als Saalkirche mit Ostturm angelegt und um 1450 im Osten durch Hinzufügung von Chor und Sakristei vergrößert. Stilistisch ist der romanische Gründungsbau dem Typus der Chorturmkirche mit eingezogenem Chorraum in Quadratform zuzurechnen, eine Bauform, welche in der Steiermark mit Beispielen aus dem 12. und 13. Jahrhundert vertreten ist.

Eine Besonderheit von St. Georgen sind die im Zuge der Innenrenovierung von 1987 bis 1989 freigelegten und restaurierten Wandmalereien im Turmquadrat der Kirche. Es handelt sich dabei um eine der wenigen vollständigen Ausstattungen eines Raumes aus dem 13. Jahrhundert in Österreich. Sie umfassen neben der Darstellung der Kirche, den Evangelisten, Aposteln, Propheten und 20 Szenen aus der Georgslegende auch das Himmlische Jerusalem.

Dem Aufbau liegt eine klare Zonenteilung zugrunde. Im Zentrum des Deckengewölbes, der ersten Zone, findet man Christus, um den sich, in Arkaden mit unterschiedlichen Säulen, zwölf Apostel scharen. Für das 13. Jahrhundert ist diese runde Anordnung in Österreich charakteristisch, ähnlich findet man sie auch in Matrei, Gurk oder Sankt Marein bei Neumarkt. In der darunter liegenden zweiten Zone sieht man etwas von der Außenseite der Gottesstadt: Vor blauem Hintergrund sind Tore, Fensterscharten, Giebel und Türme aneinandergereiht, dazwischen immer wieder Propheten, die Könige David und Salomon. Diese Personen sind durch ornamentierte Säulen voneinander getrennt. Dahinter erscheinen hohe Türme oder Paläste, die von Zinnen bekrönt sind, jeweils individuell ausgestaltet und farblich voneinander abgegrenzt. Die letzte, untere Zone ist der irdischen Welt vorbehalten. Dort wird die Passion Christi gezeigt und zahlreiche Heilige werden gefoltert.

Der Erhaltungszustand der Malerei ist schlecht, ganze Wand- und Deckenpartien sind verloren – so etwa der Kopf der zentralen Christusfigur. Aus diesem Grund hat zu Beginn des 21. Jahrtausend das Institut für Mikrobiologie der Universität Wien Proben aus den Wandmalereien untersucht. Dabei konnte in diesem Himmlischen Jerusalem eine bisher unbekannte zerstörerische Bakterienart entdeckt werden. Die neue Gattung wurde nach dem Entdeckungsort benannt und hat als Georgenia muralis in Publikationen der Bakteriologie Eingang gefunden.

 Walter Brunner (Hrsg.): Pfarrkirche St. Georgen ob Judenburg, St. Georgen ob Judenburg 1989.
Elga Lanc: Die spätromanischen Wandmalereien in St. Georgen ob Judenburg. Zum ikonographischen Programm der Gewölbedekoration, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, 45, 1-2, 1991, S. 1-13.
Dagmar Drnek: Die romanischen Wandmalereien der Pfarrkirche St. Georgen ob Judenburg. Eine Bestandsaufnahme und ein Versuch zur thematischen, historischen und stilkritischen Verortung, Judenburg 2008.

 

tags: Österreich, Steiermark, Fresken
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