Andachtskarte aus Palermo (um 1800)

Nach einer letzten großen Welle von Ölmalereien der Maria Immaculata im späten 18. Jahrhundert, getragen von Meistern wie José de Ibarra, Manuel Cerna, Manuel de Samaniego oder Juan de Miranda kam es Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Krise: Aufgrund der politischen und ökonomischen Umstände kam es zu einem Rückgang im Sakralbau, auch künstlerisch gab es beim Thema Immaculata keine wirklich neuen Entwicklungen oder neue Ideen. Tendenziell reduzierte man die Malereien: Die Figuren wurden vereinfacht dargestellt, die Symbole der Lauretanischen Litanei wurden zahlenmäßig geringer oder sogar ganz weggelassen. Neben dem zahlenmäßigen Rückgang der Ölmalerei kam es zu einem Anstieg der seriellen Druckwerke: Postkarten und kleine Andachtsbilder wurden populär, ein Andachtsbild aus Paris, eine Stundenbuch-Lithografie von 1858 oder die Karten von Francesco Apicella aus Neapel sind nur einige wenige Beispiel. Sie alle vereint: einfache Darstellung sowie Rücknahme von Farbe.

Ebenfalls aus Süditalien ist diese 22 x 15 Zentimeter große „Cartografia“ aus Palermo unter dem Titel „Immacolata Concezione“, gedruckt bei Gaetano Natale di Cristino in unbekannter Auflage um 1800. Geprägt im Aufbau ist diese Gravur selbstverständlich von den vorausgegangenen Malereien, wobei hier sogar der Rahmen einer Malereien imitiert wird. Neben Maria fallen sieben Engel ins Auge. Oben kreisen sie um Maria, unten halten sie zwei ihrer Symbole nach oben, nämlich die Lilie und die Himmelspforte. Diese ist ein klassisches Bauwerk, das mit einer Figur im Inneren besetzt ist, möglicherweise mit einem achten Engel. Auch im Original sind solche Details kaum zu erkennen, die Zeichnung ist aus wenigen Strichen schnell zusammengefügt worden. Die Einfachheit zeigt sich nicht nur in der Farblosigkeit oder der geringen Zahl an Mariensymbolen, sondern vor allem an dem schlichten Gewand Mariens ohne jede Verzierung oder Akzentuierung – im Barock kurz zuvor unmöglich.

 

tags: Biedermeier, Maria Immaculata, Andachtskarte, Süditalien
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