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Erhardt Klonk (1898-1964): Ev. Kirchen in Osthofen und Hilgenroth (beide 1964)

1963/64 arbeitete der Glaskünstler Erhardt Klonk in seinem Marburger Atelier intensiv an zwei Aufträgen der evangelischen Kirche. Bei beiden handelte es sich um neue Fenster in einem älteren Bestand, beides Fensterbahnen, die durch schwarze horizontale Träger strukturiert waren. Der erste Auftrag kam aus Osthofen (Bergstrasse), nach wenigen Monaten folgte der zweite aus dem Ort Hilgenroth (Westerwald). Beide Fenster sind sich vor allem im oberen Bereich ähnlich, wo der Künstler das Lamm in den Toren Jerusalems thematisierte.
Bei Nordfenster der evangelischen Bergkirche in Osthofen in der Nähe von Worms zeigt uns Klonk im oberen Bereich zwölf Tore, auf denen jeweils ein Engel sitzt. Diese Engel sind an der oberen Fensterrundung aneinander gereiht und unterscheiden sich farblich. Die Stadt Jerusalem unter den Engeln leuchtet „wie der alleredelste Stein, ein Jaspis, klar wie Kristall“ (Johannesoffenbarung Kap. 21, Vers 11). Sie ist bewusst in hellen Scheiben mit goldgelben Partikeln gehalten, der göttlichen Farbe der Ewigkeit. In der Mitte thront das Lamm Gottes. All dies findet eng zusammengedrängt im obersten Segment des Fensters statt. Unten ist rechts ein gewaltiger Engel eingefügt. Er hält einen Maßstab in der Hand, ein goldenes Rohr, mit dem die Stadt ausgemessen wird (Johannesoffenbarung Kap. 21, Vers 15). Gleichzeitig ist links unten ein Drachen angedeutet, der von den Füßen des Engels zertreten wird. Die Stadt ist von diesen Geschehnissen durch ein Wasser getrennt, dessen Wellen sich in zwei Segmenten von links nach rechts ziehen. Links, dem Engel gegenüber gesetzt, findet man noch eine weitere Figur: Ein Mensch hebt hier flehend die Hände in Richtung Gottesstadt.

Das Fenster gehört zu einer Serie des Künstlers Erhardt Klonk d. Ä. (1898-1964). Sie wurden in der Bergkirche als Ersatz für ein im Krieg zerstörtes Fenster während einer umfangreichen Renovierung im Jahr 1964 eingebaut. Sein Sohn Erhardt Jakobus Klonk d. J. (geb. 1932) war beim Einbau der Fenster als Mitarbeiter anwesend und hat später noch die Altar- und Kanzeltücher (Paramente) für diese Kirche geschaffen.

Die Bergkirche zu Osthofen: nach ihrer Renovierung in den Jahren 1962-1964, Osthofen (1970).
Volker Johannes Fey, Brigitte Kazenwadel: Die Osthofener Bergkirche, Osthofen 1997.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 2, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 16). 

 

Klonks rechtes Chorfenster für Hilgenroth ist im oberen Bereich ähnlich wie in Osthofen gestaltet, die Motive etwas weniger abstrakt-expressiv, der figürliche Anteil höher, die Formen abgerundeter und weicher. Zwischen die Tore hat Klonk Häuser gesetzt, mit zahlreiche schwarzen Fenstern. Im unteren Bereich waren von der Ortsgemeinde andere Themen gewünscht: So wollte man, nach einem Schreiben vom 11. September 1963, ausdrücklich weder den Engel noch Johannes (beides sei „schon oftmals zur Darstellung gebracht“), sondern „werktätige Menschen“, die etwas vom harten Existenzkampf dieser land- und forstwirtschaftlichen Region zeigen sollten – aus diesem Grund findet man auch einen zeitgenössischen Traktor. Des weiteren war die „Taufe des Kämmerers“ empfohlen, nach Kapitel 8 der Apostelgeschichte des Lukas. Diese Taufe des ersten Heidenchristen wird ansonsten nur in Ausnahme mit dem Himmlischen Jerusalem verknüpft (etwa bei Pieter van der Borcht oder bei Hubert Schaffmeister), im Gegensatz zum Baum des Lebens, der an der rechten Seite eingesetzt ist. In diesem, vor allem seinen Früchten, wollte die Gemeinde das Resultat frommer Arbeit sehen, wie Seelsorge und Mission. Diese Tätigkeiten hat Klonk, entgegen dem Wunsch der Gemeinde, nicht bildlich aufgenommen.

Johannes Dahl: Die evangelische Kirche zu Hilgenroth: Einführung in das Bauwerk und dessen Geschichte. Nebst einer kleinen Chronik der Kirchengemeinde, der Pfarrerliste und einer kleinen Dokumentation über die Renovierung von 1996/1997, Hilgenroth 1997.

 

tags: Rheinland-Pfalz, Erhardt Klonk, Renovierung, Bergstrasse, Westerwald
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