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Allgaier und Siegle: Evangelische Prachtbibel (1877)

Eine spätere Auflage der Lutherbibel mit dem Titel „Grosse Haus-Bilder-Bibel: die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments“ wurde im Jahr 1877 in Ulm neu herausgebracht. Ihr wurde eine Einleitung des neupietistischen Pfarrers Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) beigegeben und dreihundert Zeichnungen, die angeblich „nach Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872)“ gearbeitet worden sein sollen. Sie wurden, in traditioneller handwerklicher Manier, in Holz geschnitten von den ansonsten wenig bekannten Künstlern Allgaier und Siegle. Es handelt sich jedoch um andere Zeichnungen als in der Erstauflage von 1870, die ebenfalls von Allgaier und Siegle betreut wurde.
Die Seite 458 zeigt jetzt auf einer Illustration einen majestätischen Gott auf dem Thron. Mit der Tiara und dem Trinitätssymbol richtet er sich an ein katholisches Publikum. In seinen Händen hält er das Buch des Lebens, auf dem die Buchstaben Alpha und Omega zu finden sind. Unter der Gottesfigur breitet sich das Himmlische Jerusalem aus, mit starken Mauern und selbstbewussten Wächterengeln auf bollwerksartigen Stadttoren. Interessant ist, dass Bauten im Stadtinneren nur in der ersten Reihe angedeutet sind; nach hinten ist die Stadt unbebaut, lediglich vertikale Bahnen ziehen sich rhythmisch nach hinten, bis sie, wie die vierte Mauerseite, in den Wolken verschwinden.

Claus Bernet, Klaus-Peter Hertzsch: Martin Luther in seiner Zeit – und das Himmlische Jerusalem, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 40).
Markus Bürscher: Prachtbibeln: von der Handschrift zum Druck, Linz 2018.

 

tags: Allgaier, Siegle, Kupferstich, Bibelausgabe, Prunkbibel, Prachtbibel, Johann Christoph Blumhardt, Neupietismus, Volksausgabe, Julius Schnorr von Carolsfeld, Thron
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