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H. I. Jakob Schollenberger (1646-1689): Nürnbergisches Gesangbuch (1690)

In frühneuzeitlichen Gesangbüchern des Protestantismus finden sich mitunter originelle und unkonventionelle Darstellungen des Himmlischen Jerusalem. Dies ist auch der Fall im „Nürnbergischen Gesang-Buch“ des evangelischen Pastors und Theologen Johannes Saubert aus dem Jahr 1690. Zwischen den Seiten 1142 und 1143 ist ein separates Blatt eingelegt, welches im oberen Teil in einfachen Zügen die himmlische Stadt zeigt. Es gehört zu dem Abschnitt der Lieder „Von der Himmelsfreud, Höllenleid und Ewigkeit“.
Das Detail der simplen Illustration zeigt eine quadratische Anlage mit zehn Türmen, von der der mittlere als Torturm etwas breiter gestaltet ist. In der Mitte der Stadt erkennt man noch eine eigenartige Scheibe, die umgeben ist von kleineren Scheiben oder Flecken. Es soll sich um den Zionsberg handeln, der hier allerdings ohne Lamm Gottes oder Christusfigur dargestellt ist. Darunter erhält ein androgynes Wesen im antiken Gewandt von einer Hand aus den Wolken eine Krone und ein Flammenschwert – möglicherweise ist die Figur eine Märtyrerin oder ein Märtyrer, vielleicht auch eine eine der fünf klugen Jungfrauen.
Der Kupferstecher dieser groben und schnell angefertigten Abbildung ist H. I. Jakob Schollenberger (1646-1689) aus Nürnberg. Dieser war einer der produktivsten Künstler des fränkischen Frühbarock, der zahlreiche Gebrauchsgrafiken für den seinerzeit aufblühenden Buchmarkt fertigte. Schollenbergers Werk und sein Leben ist erst Dank der Arbeit des österreichischen Historikers Franz Reitinger neu und umfassend erforscht worden.

Franz Reitinger: Johann Jakob Schollenberger (1646-1689): Nürnberg und die Bildproduktion der Kunstverlage des Barock, Regensburg 2018. 

 

tags: Kupferstich, Nürnberg, Barock, Gesangbuch, Märtyrer
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