Georg Celler (1568-1634): Johann Saubert: Biblia (1629)

Das Titelblatt des Illustrators Michael Herr (1591-1661) und des Kupferstechers Georg Celler (Keller, 1568-1634) erschien erstmals in dem Verlagshaus Wolfgang Endter d. Ä. 1629/32 in Nürnberg (Reprint 1651). Beigefügt ist dem Teil von 1629 das Neue Testament von 1632. Das Frontispiz, das jedoch einschließlich des Vorworts schon 1629 vorlag, dokumentiert das Bestreben hin zur allegorischen Titelblattgestaltung unter Verwendung von Motiven aus dem Alten und Neuen Testament. Der Aufbau ist unübersichtlich, und zu Recht wurde der künstlerische Wert des Stichs als gering eingestuft. Er entsprach ganz dem Geschmack des Publikums nach aufregenden Allegorien: Von oben speist der Geist Gottes in Form eines Brunnen links den Tempel Salomons und rechts das Feuerrad aus Hesekiel. Das Wasser fließt an beiden Bildseiten herab, bis es in der Mitte im Himmlischen Jerusalem wieder zusammenkommt. Aus dem Vorwort, das Johann Saubert d. Ä. (1592-1646) zu dieser Bibelausgabe verfasste, ist zu entnehmen, dass die Schrift wie ein Brunnen zu sehen sei, aus dem man ohne Unterlass schöpfen solle.
Das Himmlische Jerusalem im unteren Bildteil ist durch die ordentliche Reihung der Wohnbauten der 16 Stadtquartiere gekennzeichnet, was vielleicht auf den Kupferstecher Celler zurückfällt, der sich auf Stadtansichten spezialisiert hatte. Dazwischen schlängelt sich der Lebensfluss, der auch aus Paradiesvorstellungen bekannt ist. Obwohl die Stadt geometrisch angelegt scheint, fließt er zunächst zwischen der zweiten und dritten Häuserreihe, biegt dann nach vorne zwischen die erste und zweite Häuserreihe, um schließlich in der Mitte der Stadt wieder seine ursprüngliche Position einzunehmen.

Eberhard Zwink u.a. (Bearb.): Deutsche Bibeldrucke: 1601-1800, Stuttgart 1993, S. 104-105.
Reinhard Mühlen: Die Bibel und ihr Titelblatt, Würzburg 2001. 

tags: Kupferstich, Nürnberg, Mittelfranken, Renaissance
Share: