Gian Antonio Castelli (um 1570 – um 1640): Himmelspforte der Franziskanerkirche in Luzern (1626)

Das „Marienchörlein“ ist die linke vordere Seitenkapelle der Luzerner Franziskanerkirche St. Maria in der Au, die der Gottesmutter geweiht ist. Die Kapelle, die mit einem Gitter vollständig von der übrigen Kirche abgetrennt werden kann, wurde 1626 mit einem Stuckaturprogramm ausgestattet. Es handelt sich um nicht weniger als 39 polychrome, teilvergoldete Stuckembleme, die von „welschen“ Künstlern, wie es damals hieß, geschaffen wurden. Vermutet wird die Künstlerfamilie Castelli aus dem Tessin, darunter auch Bernardo Castello (oder Castelli, 1557-1629) und Gian Antonio Castelli (um 1570 – um 1640) aus Melide am Luganer See. Unter den vielen marianischen Symbolen, die bereits den Deckenbereich vor der Pforte schmücken, befindet sich direkt über einer Marienstatue die offene Pforte, neben einem Kreuz (links) und einer Palme (rechts).

Alle drei Symbole werden jeweils von einem leichtbekleideten Engel dem Betrachter präsentiert. Das Symbol der Pforte ist mit dem entsprechenden lateinischen Epitheton „Porta Coeli“ versehen. Vor die Renaissance-Pforte mit Segmentgiebel und Doppelsäulen ist ein kleiner nackter Mensch gesetzt, der mit erhobenen Händen und dem rechten Bein voranschreitend sich gerade in das Innere flüchtet. Es handelt sich um ein Motiv, welches bereits auf verschiedenen Trägern verbreitet war, als Skulptur in Ingolstadt, als Kupferstich von Cornelis Cort oder als Ölmalerei auf einem Epitaph im Freiburger Münster. Allein auf einem Kupferstich von Raphael Sadeler d. J. findet sich exakt diese Körperhaltung, und auch andere Medaillons der Luzerner Kirche deuten darauf hin, dass die Arbeiten Sadelers hier zur Vorlage herangezogen wurden.

Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, 2: Die Stadt Luzern, 1, Basel 1953.
André Meyer, Hans-Christian Steiner: Die Franziskanerkirche Sankt Maria in der Au, Baugeschichte und Bauwerk, in: Clemens Hegglin, Fritz Glauser (Hrsg.): Kloster und Pfarrei zu Franziskanern in Luzern. Geschichte des Konvents, Luzern 1989.
André Meyer: Die Franziskanerkirche Sankt Maria in der Au, Bern 1990 (4).
Dieter Bitterli: ‚Tota pulchra es amica mea’. Marianische Embleme in Luzern, Stans und Hospental, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins der fünf Orte Luzern, Uri, Scheyz, Unterwalden ob und nid dem Wald und Zug, 146, 1993, S. 115-150.
Patrick Koch: Franziskanerkirche Luzern, (Luzern) 2010.
Claus Bernet: Torszenen, Himmelspforten, Porta Coeli, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 11).

 

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