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Wolfgang Tümpel (1903-1978): Radleuchter aus St. Nicolai auf Helgoland (1969)

Vermehrt wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder Sakralräume mit Radleuchtern ausgestattet. In der römisch-katholischen Kirchenausstattung, wo diese Radleuchter Tradition haben, wurde nach zeitgemäßen Interpretationen gesucht, so vor allem im Bistum Köln, etwa bei St. Laurentius (1962), St. Hedwig (1966/68), Groß St. Martin (1983) oder St. Norbert in Köln-Dellbrück (2002/03). Vorher gab es schon Radleuchter in vielen katholischen Kirchen, wie in St. Peter in Krefeld-Uerdingen (1951), St. Remaclus in Cochem-Cond (1963), St. Walburga in Hausberge/Porta (1966/69), St. Ewalde in Wuppertal-Cronenberg (1968/74), in der Edith-Stein-Filialkirche in Bonn-Duisdorf (1990) und in St. Ansgar in Schleswig (2006). Bei diesen Beispielen blieb es jedoch bei der Kreisform, das Himmlische Jerusalem ist nicht weiter durch Symbole oder Figuren angedeutet oder deutlich gemacht.


Auch in der evangelischen Kirche, die wegen ihrer Vorbehalte gegenüber apokalyptischer Thematik mit dem Motiv der Gottesstadt zurückhaltender umging, gibt es ab den 1960er Jahren Beispiele der Darstellung des Himmlischen Jerusalems in Form von Kronleuchtern, etwa in der evangelischen Gemeinde St. Nicolai auf Helgoland. Der dortige Jerusalemsleuchter besteht aus vier Elementen. Dies sind zwei Reife im unteren Teil, oben noch eine Dornenkrone und abschließend eine Königskrone des Auferstandenen.

Die beiden unteren Reife bestehen aus einem Zinnenkranz (polierte und geriffelte Bronze) mit jeweils zwölf Toren, denen die eigentlichen Leuchtkörper aufgesteckt sind, also vierundzwanzig Wachskerzen. Die Gemeinde deutet den größeren, oberen Reif als das himmlische, den kleineren, unteren als das irdische Jerusalem. Verbunden sind die Bereiche durch Stahlseile. In diese wurden farbige Glaskugeln eingearbeitet, die dem Objekt eine Leichtigkeit verleihen. Vor allem beim Abbrennen der Kerzen erzeugt das reflektierte Licht dieser Kugeln ein besonderes Lichtspiel, was sich zusätzlich an den weißen Wänden wiederholt.

Der ungewöhnliche Leuchter stammt von dem Goldschmied und Bauhausschüler Wolfgang Tümpel (1903-1978) aus Hamburg. und wurde zum Neubau der Kirche mit einer hölzernen Deckenkonstruktion 1969 angeschafft und über dem Altar befestigt. Tümpel hat auch zwei Altarleuchter dieser Kirche in Bronze gestaltet, die ebenfalls als Tor ausgeführt wurden.

Rüdiger Hoffmann, Jürgen Geuther: St. Nicolai – Nordseeinsel Helgoland, Helgoland, um 1987.
Albrecht Simon: St. Nicolai Helgoland – Kirche auf hoher See, o.O. um 1990.
Hildegard Wiewelhove (Hrsg.): Wolfgang Tümpel, 1903-1978, Bielefeld 2003.

 

tags: Helgoland, Schleswig, Jerusalemsleuchter, Bronze
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