Carlo Lambardi (1559-1620), Giovanni Battista Ricci (1537-1627): San Marcello al Corso in Rom (1605)

Zwischen 1592 und 1605 wurde die römisch-katholische Kirche San Marcello al Corso in Rom mit einer imposanten Holzdecke ausgestattet. Stilistisch ist es eine Arbeit an der Grenze von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Verantwortlich waren der Architekt und Bildhauer Carlo Lambardi (1559-1620) sowie der Maler Giovanni Battista Ricci (1537-1627). Ausgewählt für die Deckengestaltung wurden die üblichen Symbole der Lauretanischen Litanei. Alle Symbole stehen in einem eigenen Kassettenfeld, sind vergoldet und mit einer lateinischen Beischrift gekennzeichnet. Da genügend Platz zur Verfügung stand, findet man hier zahlreiche der Mariensymbole. Eine Rarität von San Marcello al Corso ist, dass hier drei Pforten das Himmlische Jerusalem symbolisieren, zwei davon in Form von Toren. Da ist zunächst vorne links vom ersten Wappen laut Spruchband die Civitas Dei. Es ist die einzige mir bekannte Fassung, wo die Gottesstadt exakt wie die Himmelspforte dargestellt ist, auf eine Wiedergabe von Gebäuden, wie sonst Standard, wurde komplett verzichtet. Gegenüber rechts vom ersten Wappen ist die Porta Clausa positioniert. Vorne beim Altar befindet sich noch rechts neben dem ersten Wappen die Porta Coeli. Sie ist genau so wie zuvor die Porta Clausa gestaltet, nur ohne die massive vergoldete Kassettentür. Hinter ihr sieht nicht etwa Einzelheiten des Neuen Jerusalem, sondern lediglich das dunkle Blau des Plafond.

Lina Muñoz Gasparini: San Marcello al Corso, Roma (1926)
Enrico Parlato: Il soffitto ligneo di San Marcello al Corso, opera dell’architetto Carlo Lombardi e del pittore Giovan Battista Ricci, in: Art e Dossier, 167, 1989, S. 136-147.
Laura Gigli: San Marcello al Corso, Roma 1996.
Claus Bernet: Die Frühe Neuzeit: Eine Hoch-Zeit der Jerusalemskultur, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 5,2).

 

tags: Rom, Italien, Renaissance, Deckengemälde, Porta Coeli, Civitas Dei
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