Jerusalem-Relief in der Kirche von St Paul lès Dax (12. Jh.)

Dieses hochmittelalterliche Relief stammt aus der römisch-katholischen Kirche St Paul im gleichnamigen Ort Saint-Paul-lès-Dax im Departement Landes. Durch den Ort führte die Via Turonensis, der nördlichste Jakobsweg, unmittelbar an der Kirche vorbei, die einst eine beliebte Pilgerstation mit Beherbergung vor dem anstrengenden Überqueren der Pyrenäen gewesen war. Der Bau aus dem 12. Jahrhundert gilt als Höhepunkt der französischen Romanik. Über den blinden Apsisarkaden findet man profilierte Flachreliefs aus Marmor zur Passion Christi und zur Auferstehung.

Zu dieser letzten Gruppe gehören zwei Bilder aus der Apokalypse: die sechste und siebte Posaune sowie das Himmlische Jerusalem. Die vier Tore im unteren Bereich nehmen die Apsisarkaden von St Paul lès Dax auf und sind ein frühes steinernes Beispiel des Typus Arkadenjerusalem. In einer weiteren Arkade, eine Ebene darüber und mit einem Kreuz bekrönt, schaut eine männliche Figur nach außen. Manche sehen diese Figur als Christus an, andere sind der Ansicht, hier sei der Heilige Paulus, der Namensgeber der Kirche, zur Darstellung gebracht. Ganz oben schließen zwei Engel mit expressiven Flügeln und einige stilisierte Wolken das Relief ab. Rechts oben sind kleinere Tore angebracht, die vielleicht den Tabernakel, die Kirche St Paul lès Dax oder Bauten der Gottesstadt zeigen. Vermutlich befanden sie sich auch auf der linken Seite des ansonsten symmetrisch gestalteten Reliefs.
Das Besondere an St Paul lès Dax ist, dass dieses Relief nicht etwa im Kircheninneren, sondern an der Maueraußenseite des östlichen Chorbogens angebracht ist. Dafür, dass das Relief dem Wetter und der Verwahrlosung ausgesetzt war und ist, befinden sich die Kalkplatten in hervorragendem Zustand. Eine solche kostbare Außendekoration war möglich geworden, da die Kirche am Pyrenäenhauptpass des Jakobswegs nach Santiago de Compostella reich geworden war. Wie es bei diesen Bauten des Mittelalters meist der Fall ist, sind die daran beteiligten Künstler namentlich nicht bekannt. Da es aber noch keine Tradition solcher Werke als Fassadenschmuck gab, konnte man erfinderisch sein und experimentieren. Diese Variante hat durchaus Qualität, wurde aber in keiner Weise stil- oder traditionsprägend. Ungewöhnlich sind auch andere steinerne Motive, die man an der Fassade entdecken kann. Beispielsweise zeigt das Relief links des Neuen Jerusalem ein fischartiges Fabelwesen, das ein Füllhorn ausbreitet.

 Eugène Dufourcet: L’eglise de Saint-Paul-lès-Dax, Dax (1882).
Christophe Didelot: Les bas-reliefs de l’église de Saint-Paul-lès-Dax, in: Congrès Archéologique de France. Séances générales, 1888/89, S. 380-381.
Xavier de Cardaillac: Epoques des bas-reliefs de Saint-Paul lès-Dax, in: Bulletin de la Société de Borda, 51, 4e trim. 1927, S. 153-166.
James Stuart Morgan: Le temps et l’intemporel dans le décor de deux églises romanes: Facteurs de coordination entre la mentalité religieuse romane et les oeuvres sculptées et peintes à Saint-Paul-lès-Dax et à Saint-Chef en Dauphiné, in: Pierre Gallais, Yves-Jean Riou (Hrsg.): Mélanges offerts à René Crozet. À l’occasion de son soixante-dixième anniversaire par ses amis, ses collègues, ses élèves et les membres du C. É. S. M.; 1, Poitiers 1966, S. 531-548.
Histoires de Saint-Paul-lès-Dax, Saint-Paul-lès-Dax 1994. 

 

tags: Frankreich, Romanik, Mittelalter, Relief, Arkaden, Departement Landes
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