Luis de Riano (1596-1667): Maria Immaculata-Darstellungen (um 1630, um 1640, um 1650)
Das 128 x 102 Zentimeter große Ölgemälde „Virgen Immaculada con San Francisco y San Antonio“ („Die Jungfrau zur Unbefleckten Empfängnis mit dem Heiligen St. Franziskus und dem Heiligen St. Antonius“) wird dem peruanischen Criollo-Maler Luis de Riano (1596-1667) zugeschrieben, der es um 1630 gemalt haben soll. Es ist im Besitz des Franziskanerklosters Santa Catalina im lateinamerikanischen Kunstzentrum Cusco (Peru).

Das Detail der offenen Himmelspforte ist auf dem Werk oben rechts zu finden. Ungewöhnlich ist das grelle, neonartige Gelb, mit welchem die Pforte gefüllt ist, welches auch den Hintergrund neben der Pforte gelblich zu färben scheint, als würde es tief dahinter leuchten.
Luis Nieri Galindo: Pintura en el virreinato del Perú, Lima 1989.

Etwa zur gleichen Zeit, schätzungsweise um 1630, entstand diese 180 x 130 großen Ölmalerei der Maria Immaculata im Umfeld von Luis de Riano. Zu dieser Zeit war, aus Europa kommend, die Gegenüberstellung von offener und geschlossener Pforte ein großes Thema, man denke etwa an Ippolito Borghese. Dieses findet sich auch auf dieser Malerei, die auf dem Gebiet des heutigen Peru hergestellt wurde, eindeutig nach solchen europäischen Vorlagen. Dort findet man auch die Hinzufügung von Heiligen, meist Mönchen, hier ist es einmal auch der Heilige Petrus (links), an seinem Schlüssel zu erkennen. Gleichzeitig ist er der Tradition nach auch der Wächter an der Himmelspforte. Die in dem Gemälde eingesetzten Pforten sind von höchster Qualität und bereits vom neuspanischen Kolonialstil mit beeinflusst, wie etwa zu sehen bei der rechtsseitigen Pforte mit der Kuppel, die nochmals mit einem lateinischen Kreuz bekrönt wurde. Die Malerei bringt unten auch die Civitas Dei ins Spiel, mit der auf neuspanischen wie spanischen Werken des 17. Jahrhunderts fast obligatorischen Galeone (siehe etwa Virgen del Buen Aire, Francisco Pacheco oder Juan Sánchez Cotán). Unter den kaum erkennbaren Bauten tritt ein runder Turm hervor, von dem anscheinend weißer Rauch aufsteigt – ein Detail, welches ich von keiner anderen Arbeit kenne und das auf eine lokale Tradition, etwa ein örtliches Bauwerk oder auf ein Epigramm, Bezug nehmen könnte.

Eine weitere Darstellung der Maria Immaculata hat de Luis de Riano von seinem Kollegen und Lehrer Seguidor de Angelino Medoro (1567-1633) kopiert. Dies geschah nicht, weil de Riano keine eigene Immaculata-Darstellung eingefallen wäre, sondern weil ein unbekannter Auftraggeber dies nach 1618, aber noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert, so wünschte. Es handelt sich um ein Ölgemälde aus dem Kloster Recoleta, ebenfalls in Cusco ansässig. Vor allem die quadratische Civitas Dei ist sehr eng an Medoro angelehnt und sogleich zu erkennen, da die Idee des Tragens einer kompletten Stadt auf den Schultern eines zierlichen Engels einzigartig ist, eine Art christliche Umdeutung des Atlas-Motivs aus der Antike. Bei der Porta Coeli hat de Riano zwar den Bildaufbau übernommen, der Pforte aber einen moderneren Stil im Barock, fast schon Rokoko, verliehen.
José de Mesa, Teresa Gisbert: El pintor Angelino Medoro y su obra en Sud América, in: Anales del Instituto de Arte Americano e Investigaciones Estética, 5, 18, 1956, S. 23-47.
José de Mesa, Teresa Gisbert: Historia de la pintura Cuzquena, Lima 1982.
Luis Nieri Galindo: Pintura en el virreinato del Perú, Lima 1989.

Die getragene Gottesstadt fand Gefallen. In der römisch-katholischen Kirche Compañía de Jesús in der Stadt Quito (Ecuador) befindet sich eine Ölmalerei der Maria Immaculata, die in Quito entstanden sein soll, von einem Schüler Rianos um 1650. Hinsichtlich der Symbole, die das Neue Jerusalem präsentieren, wird Spektakuläres geboten: Links hält ein Engel eine Himmelspforte. Sie sieht aus wie ein Spiegel, vergleicht man jedoch die Wolken, die sich hinter der Rahmung fortsetzen, wird klar, dass diese Pforte geöffnet ist. Ganz rechts oben stemmen zwei weitere Engel die Civitas Dei nach oben, hier dargestellt als gewaltige Gottesstadt mit drei Toren an jeder Seite, quadratischem Grundriss und zahlreichen Bauten im Inneren.



