Johann Martin Heigl (um 1730-1774): Deckenfresko der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Forstinning (um 1768)

Die Darstellung der Symbole der Lauretanischen Litanei innerhalb von Kirchen findet sich vornehmlich an Glasfenstern im Seitenschiff, seltener als Wandmalerei, etwa in der Apsis. Doch gerade in Bayern findet man für Wandmalereien Beispiele, etwa in Altenmarkt, Ulbering oder Forstinning in Oberbayern.
Die heutige Pfarrkirche Maria Heimsuchung in Forstinning steht auf romanischem Fundament, ist im Inneren aber hauptsächlich von der spätbarocken Umgestaltung geprägt. Damals, in den 1760er Jahren, wurde das Kirchenschiff für die neue Doppelempore um drei Meter verlängert, der Innenraum mit einem Tonnengewölbe und Stichkappen versehen. Für die Ausmalung der Decke war der Hofmaler Johann Martin Heigl (um 1730-1774) verantwortlich. 1765 hatte er das Deckengemälde der Wallfahrtskirche in Tading fertiggestellt, um 1766 zog er von Raitenhaslach nach München, ab dieser Zeit arbeitete er in Forstinning. Der Name das Kirche gab sicherlich den Ausschlag, Themen aus dem Leben Mariens darzustellen, wobei ihr helfender Charakter thematisiert wurde. Es sind Malereien und Kartuschen, die schon stark vom Rokoko geprägt waren. Im Jahr 2005 wurden die Malereien umfangreich restauriert. Dabei wurden zwischen den Stichkappen an der Nord- und Südseite weitere Malereien aufgefunden, die verschiedene Symbole der Lauretanischen Litanei aufgreifen. Man hat sich zu einer Freilegung entschlossen, und zum Vorschein kamen insgesamt zwölf Symbole, darunter auch weniger Bekanntes wie die Bundeslade oder der Kelch des Heils, aber auch „Klassiker“ wie die Himmelspforte. Diese findet man vorne rechts im Altarbereich, zusammen mit dem Goldenen Haus rechts davon.


Wann diese Malereien entstanden sind, ist schwer zu sagen. Sie sind farblich zurückhaltender als die Deckenmalerei und weniger verspielt, sondern zeigen vielmehr erste Einflüsse des Klassizismus. Die jeweiligen Gegenstände sind auf das Wesentliche konzentriert. Im Farbton sind es helle Pastelltöne, überwiegend monochrom gehalten, was aber auch eine Folge der Jahrzehnte unter Putz sein kann. Die Kartusche jedoch, die vergoldeten Stuck vortäuscht, ist eindeutig aus den 1760er Jahren. Das zeigt ein Vergleich mit der Kartusche auf dem Deckenbild „Mariä Heimsuchung“, die zu keiner Zeit unter Putz gelegt wurde. Vermutlich war es auch in Forstinning wie anderswo: Der Meister entwarf das disegno, führte die zentralen Partien aus, bei den weniger wichtigen Motiven, den Kartuschen und Füllflächen, waren Gehilfen tätig, die durchaus ihre Handschriften mitbrachten und mitunter ja später selbst Meister wurden.

Thomas Johannes Kupferschmied: Der Freskant J. Martin Heigl – Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbständige Werke, München 1989.
Josef Polz: Kirchenführer der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung Forstinning und der Filialkirche St. Jakobus Pullach, o.O. 1997.

 

tags: Lauretanische Litanei, Rokoko, Oberbayern
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