Joseph Cuypers (1861-1949): Jerusalemsleuchter aus St. Urban in Amstelveen (1889)

Was in Frankreich Eugène Viollet-le-Duc und in Deutschland Karl Friedrich Schinkel für den Historismus waren, repräsentiert in den Niederlanden Joseph Cuypers (1861-1949). Diese Persönlichkeiten waren Praktiker und Theoretiker; in ihrem künstlerischen Schaffen war Religion ein zentraler Referenzpunkt, ohne den man ihr Werk eigentlich nicht wirklich verstehen kann. Cuypers hatte seinen Schwerpunkt in der katholischen Sakralkunst. Seine Ausbildung zum Architekten begann im Unternehmen seines Vaters in Amsterdam. Später studierte er an der Technischen Universität Delft, wo er 1883 seinen Abschluss machte und anschließend Assistent seines Vaters wurde. Im darauffolgenden Jahr realisierte er sein erstes Werk, ein Wohnhaus in Amsterdam (Oud Leyerhoven). Sein erster Kirchenentwurf, St. Urban in Nes aan de Amstel, wurde 1888 fertiggestellt. Im gleichen Jahr wurde durch Pierre Cuypers, den Vater von Joseph Cuypers, die Urbanuskirche in Amstelveen nach 13 Jahren Bauzeit abgeschlossen. Diese Kirchen befinden sich in etwa 25 Kilometer Entfernung im Flusstal der Amstel, wurden vom Büro Cuypers entworfen, neogotisch gestaltet und mit einem Jerusalemsleuchter ausgestattet – diese überraschenden Ähnlichkeiten führen nicht nur in der Literatur zu zahlreichen Verwechslungen und Fehlern.

Nur der Leuchter aus der Urbanuskirche in Amstelveen hat sich bis heute erhalten, und das auch nur durch einen unglaublichen Zufall (s.u.). Er ist dort über dem Altar als Jerusalemsleuchter (Luminarium/lichtkroon) die zentrale Beleuchtung, fertiggestellt nach der Baufertigstellung im Jahr 1889. Er hängt über einer neogotischen Vierung, auf der zahlreiche vergoldete Sterne auf blauem Untergrund den Kosmos versinnbildlichen.

Ein polygonaler Reif aus vergoldeter Bronze zieht in etwa einen Kreis im Durchmesser von vier Metern. Jedesmal, wenn der Reif umknickt und seine Richtung wechselt, ist entweder ein Turm oder eine Kerze gesetzt, insgesamt acht Türme und acht Kerzen an den Knickpunkten. Hinzu kommen weitere Kerzen auf dem Reif, die inzwischen komplett durch elektrische Beleuchtung ausgetauscht wurden. Auf dem Reif steht auf blauem Untergrund: „Surge, illuminare, Jerusalem, quia venit lumen tuum, et gloria Domini super te orta est“, also „Mache dich auf, werde licht, Jerusalem, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“, nach Jesaja, Kap. 60, Vers 1. Auf der Rückseite ist der Reif einheitlich rot.

Damit sollte klar geworden sein: Dieser Leuchter ist keinesfalls eine „Kopie“ des Barabrossaleuchters, wie oft zu lesen, auch keine Kopie eines anderen mittelalterlichen Leuchters, sei es aus Zutphen, Halberstadt, Einbeck oder anderswo. Im Gegenteil: Dieses Kunstwerk ist ein eigenständiges, historistisches Meisterwerk aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Im September 2018 wurde die Kirche durch ein Feuer weitgehend zerstört, nur der Kirchturm konnte gerettet werden. Der Leuchter war in mehrere Einzelteile zerbrochen und war unter vier Metern von Schutt aus Balken, Ziegelsteinen und Dachschindeln begraben, zusätzliche Schäden verursachte das Löschwasser und der nächtliche Frost.

Dank einer restauratorischen Meisterleistung konnte der Leuchter anhand von Plänen und Fotografien 2019/20 wieder rekonstruiert werden. Dabei entfernte man die späteren Übermalungen und stellte wieder die ursprüngliche Farbgebung her.

Ileen Montijn: Pierre Cuypers, 1827-1921, Schoonheid als Hartstocht, Wormer 2007.
Gert van Kleef: Joseph Cuypers architect. Een leven in kerken, Zutphen (2025).
Stichting Vrienden van de Bovenkerkse Urbanus (Hrsg.): St Urbanuskerk Bovenkerk rondleiding, Amstelveen, um 2025.

 

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