Der Franzose Cars François (1631-1701) ist der „incisore“, also der Kupferstecher dieser einfarbigen Grafik in Ätztechnik. Dieses 30 x 20 Zentimeter großen Exemplar befindet sich im Besitz der katholischen Kirche in Rom. Herausgebracht wurde die Arbeit von Philippus Borde, Laurentius Arnaud, Petrus Borde und Guillelmus Barbier, die auch an anderer Stelle als Quartett auftraten und hier namentlich am unteren Rand alle angeführt sind. Etwas bekannter sind von ihnen lediglich Arnaud Laurent (1602-1694) und Guillelmus Barbier (gest. 1692), beides Drucker und Herausgeber aus Lyon, wo auch diese Grafik mit kirchlichem Privileg hergestellt wurde. Warum hier vier Herausgeber genannt sind, die nicht alle vier an dieser einen Grafik mitgearbeitet haben, hat rechtliche Gründe und sollte den Käufern Solidität und Fachkompetenz eines großen Betriebes suggerieren oder tatsächlich anbieten – Drucke aus diesem Haus gingen nicht nur nach Frankreich oder Italien, sondern in die ganze römisch-katholische Welt; bis nach Spanien und Neuspanien ist die Verbreitung nachgewiesen.

Die barocke Grafik zeigt oben eine Marienerscheinung über dem Spanier Alfonso Carrillo de Acuña (1412-1482). Dieser war nicht nur ein frommer Erzbischof, sondern auch ein ehrgeiziger Krieger, der hier als Reiter symbolisch einen Ungläubigen niederringt (bezogen auf Heinrich IV. von Kastilien, dem vorgeworfen wurde, den „wahren Glauben“ verraten zu haben und dass er mit Nichtchristen zusammen leben würde). Unter den insgesamt neun Mariensymbolen findet sich keine Civitas Dei, sondern die offene Porta Coeli allein repräsentiert hier oben rechts das Himmlische Jerusalem. Sie zeigt das Bauwerk, angelehnt an Luis Lagarto (1556-1624), mit einem Sprenggiebel, dem ein Obelisk aufgesetzt wurde – es ist offensichtlich, dass dieses Detail wie auch das disegno von neuspanischen Kunstwerken mit beeinflusst ist, was im späten 17. Jahrhundert längst auf Spanien zurückwirkte.



