Dieser Kupferstich ist dem dritten Teil des Werkes „De Origine Seraphicae Religionis Franciscanae“ (S. 860) entnommen, eines der vielen Werke des 16. Jahrhunderts, in dem versucht wird, die Jungfräulichkeit Mariens zu erklären und für diese Vorstellung zu werben. Francesco Gonzaga hat diese Schrift, an der mehrere Theologen des Franziskanerordens beteiligt waren, im Jahr 1587 in Rom herausgebracht, Gonzaga ist aber keinesfalls der Kupferstecher dieser Arbeit. Es muss ein römisch-katholischer Künstler im Umkreis des Vatikans gewesen sein, der gebürtige Niederländer Cornelius Cort (1533-1578), der sich dauerhaft in Rom niedergelassen hatte, kommt durchaus in Frage. 1567 hatte er einen ganz ähnlichen Kupferstich herausgebracht. Cort war zwar 1578, als „De Origine Seraphicae Religionis Franciscanae“ in der Druck ging, verstorben, aber es war durchaus üblich, dass Kupferstiche posthum aus einem Nachlass heraus publiziert wurden, denn solches hatte zwei Vorteile: Tantiemen mussten nicht gezahlt werden und man musste auch nicht mit dem Künstler über die Art und Weise der Drucklegung diskutieren.

Doch auch die Qualität des Kupferstichs weist auf Cort hin. In beiden Stichen sind die Positionen der Symbole Marias identisch, mit einem kleinen Unterschied: 1587 wurde auf die lateinischen Bezeichnungen verzichtet. Vor allem die beiden Pforten sind eins zu eins gleich, sogar die menschliche Figur (eindeutig kein Engelswesen, sondern ein typisch humanistisches Statement bezüglich der Bedeutung des Menschen) findet sich in der Porta Coeli. Bei der Civitas Dei ist 1587 die Zugangpforte stärker vom Rand beschnitten, daher kann man über ihre stilistische Gestaltung wenig sagen. In der Stadt findet sich aber auch der ruinöse Geschlechterturm, der bereits in der 1567er-Fassung irritiert. Wieder einmal haben wir also ein Ruinen-Jerusalem in Dürer-Tradition. Ansonsten zieht sich 1587 ein Eierstab als Rahmen um die Symbole, der sich oben zu einem Bogen formt, wo der Titel „P. Coceptionis“ eingefügt ist. Auch unten springt der Rahmen zurück, so dass in allen vier Ecken Platz ist, der mit vier Kirchenvätern besetzt wurde.


