Francesco Lamarra (um 1710-1780): Radierung „König David“ (um 1766)

Francesco Lamarra (auch La Marra) war ein gebürtiger Neapolitaner, der von etwa 1710 bis 1780 lebte und im Königreich Neapel tätig war. Hauptsächlich war Lamarra als akademisch geschulter Zeichner tätig, aber wir kennen von ihm auch zwei Ölmalereien der Heiligen Maria. Die römisch-katholische Kirchengemeinde von Andria (Apulien) besitzt einen ganzen Satz von neun losen Studienblättern dieses Künstlers zu ausnahmslos biblischen Themen. Er wird darauf als „inventor“ bezeichnet, hat also den Entwurf beigesteuert, während ein anderer Kollege die Stiche gesetzt hat. Eine Durchsicht der Originale hat Anlass zu der Vermutung geben, dass sie um 1766 entstanden sein müssten.

Entweder es handelte sich um Probedrucke oder Illustrationen zu einem geplanten Druckvorhaben, das aus unbekannten Gründen nicht umgesetzt wurde. Die Illustrationen sind unten signiert und oben nummeriert. Eines der Blätter, vorgesehen für die erste Seite, zeigt den König David beim Spiel der Harfe, was dem König angeblich geholfen haben soll, seine Depressionen zu vertreiben. Hier ist das Musikspielen mit dem Erscheinen von vier Engel verbunden, die einen Gegenstand wie einen Baldachin über den Kopf des Königs tragen. Hinter dem Gegenstand leuchtet es radial nach oben und nach unten. Die Art der Darstellung als viereckige frühneuzeitliche Festung erinnert natürlich nicht nur an den in Italien hochentwickelten Festungsbau des 18. Jahrhunderts, sondern auch Darstellungen der Civitas Dei aus dem 16. Jahrhundert, etwa von Seguidor de Angelino Medoro oder Luis de Riano.

Walter Vitzthum: Luca Giordano o Francesco Lamarra. Una ipotesi, in: Paragone, 16, 183, 1965, S. 64-67.
Francesco La Marra. Crtač napuljske škole u Museju Mimara, Zagreb 2007.
Laura Palombaro: La raccolta di incisioni di Francesco La Marra. La fortuna del Seicento napoletano nella stampa del XVIII secolo, in: Ilaria Miarelli Mariani, Tiziano Casola, Valentina Fraticelli (Hrsg.): La storia dell’arte illustrata e la stampa di traduzione tra XVIII e XIX secolo, Roma 2022, S. 277-292.

 

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