Hovnatanian Jonathan (1730-1801): Ölgemälde der Maria Immaculata (1750-1800)

Die Familie Hovnatanyan war in Armenien über Jahrhunderte die einflussreichste und vor allem eine verzweigte Künstlerfamilie. Der Nachname leitet sich angeblich von Hovnatan ab, dem armenischen Äquivalent zu Jonathan. Die Wurzeln der Sippe liegen im 17. Jahrhundert im Dorf Shorot im Bezirk Yernjak in Nachitschewan (Autonome Republik Nachitschewan); im 19. Jahrhundert gab es auch Linien in Sankt Petersburg und in Persien. Unter den Mitgliedern waren Dichter, Maler, Zeichner und Wandmaler; die meisten ihrer Werke waren Ölmalereien für Kirchen und Klöster.
Das Familienmitglied, welches diese Ölmalerei in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen hat, war Hovnatanian Jonathan (1730-1801). Auftraggeber war die Kathedrale von Etschmiadsin, der vermutlich älteste christliche Kultort Armeniens und heute das religiöse Zentrum des Landes. Dort befindet sich die Malerei im Museum der Kathedrale noch heute, bekannt als die „Jungfrau in der Gloriole“.

Leider ist die Malerei stark zerstört, könnte aber noch vollständig rekonstruiert werden. Folgendes kann festgehalten werden: Die Vorlagen zu diesem Werk liegen in der französischen und spanischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Vom Aufbau zählt dieses Gemälde zu den U-Madonnen-Malereien, die man im 17. Jahrhundert in Frankreich, Italien wie auch Spanien finden kann. Was die Symbole Mariens angeht, wurden sie in großer Zahl in das Bild gesetzt, vor allem im unteren Bereich zu einer Landschaft zusammengefügt – neu oder innovativ war dies keineswegs, man findet Ähnliches bereist bei Pieter Claissens. Hier, bei Jonathan, wurden die Symbole, die das Neue Jerusalem symbolisieren, rechts unten in Beziehung gesetzt: Eine Ansammlung weißer Bauten hinter einer vor- und zurückspringen Mauer markiert die Civitas Dei – so steht es auch in Armenisch unter dem Symbol. Rechts der Stadt führt eine steile Treppe nach oben, zur Himmelspforte. Hier ist die Zerstörung besonders schwer, aber man sieht noch die goldene Füllung in einer braunen klassischen Pforte – man kennt solches aus einer Darstellung aus der Kirche San Miguel de Boconó in Trujillo (um 1620) oder von Gregorio Gamarra (um 1625), dem wahrscheinlichen Vorbild von Jonathan.

Patrick Donabédian: Les arts arméniens, Paris 1987.
Ani Yenokyan: Pictorial Devotion to the Virgin Mary in Armenian book art of the Early Modern Period, in: Le Muséon, 135, 3-4, 2022, S. 451-482.

 

tags: Armenien, Lauretanische Litanei, Himmelstreppe
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