Innerhalb der Vielzahl von Immaculata-Ölmalereien lässt sich eine spezifische Untergruppe ausmachen. Bei dieser Gruppe ist die Marienfigur klar durch ein Wolkenband abgegrenzt von den sie umgebenden Symbolen. Die Umrisse dieses Bandes ergeben den Buchstaben „U“, und solche U-Madonnen lassen sich in schon im 17. Jahrhundert nachweisen, etwa von dem italienischen Renaissance-Meister Guglielmo Caccia. Beliebt waren sie vor allem in Spanien und Italien, zu einer regelrechten Modeerscheinung wurden sie im frühen 19. Jahrhundert.
Die allermeisten Fassungen sind anonym geblieben, vor allem im Kunst- und Antiquitätenhandel sind sie zu finden. Etwas anders ist es bei dieser Fassung, von der man den Künstler und den Entstehungsort zu kennen glaubt. Es geht hier um eine Ölmalerei, die ein gewisser Ortensio Bruni geschaffen haben soll. Es handelt sich um einen abruzzesischen Maler, von dem man weiß, dass er in dem Ort Nereto geboren wurde und dort arbeitete. Andere Werke hat man Nareto noch nicht zuweisen können, und auch, wie man Bruni dieses Gemälde zuordnen konnte, ist nicht bekannt – signiert oder datiert ist die Malerei jedenfalls nicht. Der Fund ist bemerkenswert, denn irgendeine Forschung gibt es weder zu dem Künstler noch zu der Kirche, in der sein Bild aufbewahrt wird.

Seine Ölmalerei der Maria Immaculata befindet sich in der römisch-katholischen Kirche San Gregorio in Atri di Cascia in Umbrien. Das Gemälde zeichnet sich durch sanfte, zarte Farben und eine harmonische, gefällige Formensprache aus. Auf ihm knien unten der Heilige Franziskus und der Heilige Jakobus, dazwischen ist das Wappen des Stifters oder der Stifterfamilie gesetzt. Darüber findet man das markante „U“, in welches eine stehende Madonna eingefügt ist. Nach oben ist sie durch ein weiteres horizontales Wolkenband mit sechs Engelsköpfen von Gottvater getrennt. Um die Marienfigur sind Symbole gesetzt, die anhand weißer, flatternder Schriftbänder identifiziert werden können – charakteristisch für Arbeiten des 18. Jahrhunderts, siehe etwa den Isenbrant-Nachfolger aus Südamerika oder José Camarón y Bonanat. Zwei der Symbole zeigen pars pro toto das Neue Jerusalem, nämlich die Civitas Dei über der Jakobusfigur an der linken Seite und weiter oben die Porta Coeli.


