Helmut Münch (1926-2008): Antependien aus der Christuskirche Donauwörth, der Kirche St. Matthäus in Bamberg und St. Bartholomäus in Kirchensittenbach (1970)
Von 1960 bis in die 1990er Jahre betrieb Helmut Münch (1926-2008) in Mainburg eine „Bildweberei“ für Antipendien – es waren Zeiten, in denen man davon leben und eine Familie ernähren konnte. Zahlreiche evangelische Gemeinden in Schwaben, Niederbayern und Franken kauften damals einen „Münch“ an. Eine Generation später war die Begeisterung in Desinteresse umgeschlagen; die Werke waren in die Jahre gekommen und sind heute nicht mehr so oft aufzufinden. Münchs erfolgreichstes Motiv war ein rotes Antependium mit dem Himmlischen Jerusalem, von dem es mindestens drei Variationen gibt. Geschaffen wurden sie alle in den 1970er Jahren, verkauft jedoch auch wesentlich später. Es sind keine Unikate, sondern diese Antipendien lassen sich auch in anderen Gemeinden finden. Die drei Beispiele aus Donauwörth, Bamberg und Kirchensittenbach sind noch heute (2025) in Gebrauch und befinden sich in erstklassigem Zustand, aus diesem Grund werden sie hier näher vorgestellt.
Die evangelische Christuskirche in Donauwörth wurde 1863 erbaut. Anfang der 1960er Jahre kam es zu baulichen Umgestaltungen, die damals vorhandenen Antependien wurden mit einer speziellen Vorhangschiene hinter dem hölzernen Altar befestigt. Als 1978 die Kirche neu getüncht wurde, hat der damalige Pfarrer sich für neue Antependien ausgesprochen. Zunächst lieh man sich die Antependien der evangelischen Kirche von Mönchsdeggingen aus, die man bald liebgewann – von dem gleichen Künstler wollte man ebenfalls etwas haben – und das war Helmut Münch.

Eine der Neubestellungen, vorgesehen für den Altar, zeigt das Himmlische Jerusalem. Seine Grundfarbe ist violett, damit gehört es zur liturgischen Farbe Rot, die an Pfingsten, Konfirmationen, Ordinationen und am Reformationsfest vor dem Altar, sichtbar für die ganze Gemeinde, aufgehängt ist. Dazu gehört ein weiteres schmaleres Parament für das Lesepult, welches ein Wellenornament zeigt. Auf dem Altarparament dominieren zwölf blockartige Tore mit roter Füllung.

Sie sind in Dreiergruppen gesetzt, wobei bei der vorderen und der hinteren Gruppe etwas von der geraden Stadtmauer zwischen den Toren zu erkennen ist. Sechs der Tore haben am Bogen einen dunkelroten Rand, der sie plastischer erscheinen lässt. Diese Tore sind unregelmäßig verteilt, ein Merkmal des Künstlers, das sich auch auf anderen seiner Werke finden lässt. Die Tore umziehen ein Viereck, in das mehrere Häuserblöcke gesetzt sind; man erkennt dort weitere Eingangstüren und Fenster. An den Seiten überdecken die Bauten sich gegenseitig, hier kommt auch hellvioletter und grauer Stoff zum Einsatz. Das Zentrum ist hier einmal nicht von dem Lamm besetzt, sondern vom Christusmonogramm (auch Chi-Rho). Die griechischen Buchstaben Χ (Chi) und Ρ (Rho) sind dabei so gesetzt, dass sie ein Hexagramm bilden, dass sich mit hellen, gelben Farbtönen vom restlichen Parament abhebt, als würde es davor schweben.

Das Textilwerk stammt aus der Bildweberei des Glasmalers und Kunsthandwerkers Helmut Münch aus Ebrantshausen, einem Ortsteil der Stadt Mainburg. Es entstand noch in der alten Werkstatt mit der Postleitzahl 8301, vor seinem Umzug nach 8302. In den 1970er Jahren war die Weberei noch im Betrieb, später arbeitete er vermehrt an Glasmalereien. Neben seiner Frau, die die Korrespondenz und das Büro führte, war Münch damals der einzige feste Mitarbeiter, so dass davon auszugehen ist, dass der Entwurf aus seiner Hand stammt.
Zur gleichen Zeit entstand eine Variante, ebenfalls als rotes Altarparament gedacht. In der Bamberger Kirche St. Matthäus sieht dieses Exemplar in der nachösterlichen Zeit vor den hellen, weißen Wänden besonders eindrucksvoll aus. Das dazugehörige Kanzelparament zeigt hier vier Posaunen, die nach vorne, zur Gemeinde hin gerichtet sind.

Bei der Stadt Jerusalem fällt im Unterschied zum vorherigen Werk die geänderte Anordnung der Tore auf. Sie ist zwar ebenfalls quadratisch, aber um 90 Grad gedreht, so dass sich jeweils drei Tore an den vier Seiten nach oben versetzt aneinanderreihen. Ganz oben und unten, also an den Ecken der Stadtmauer, hat Münch den umbrechenden Lauf der Stadtmauer durch Blöcke hervorgehoben, die die gleiche hellgraue Grundfarbe haben wie die zwölf Tore. Diese Blöcke sollen Türme darstellen, im oberen Abschluss sind Zinnen angedeutet. Nur oben und unten sind solche Türme zu finden, links und rechts nicht. Von der Stadtmauer ist, wegen der Größe der Tore, nicht wirklich viel zu sehen, lediglich an den Rändern der Tore erscheint immer wieder schwarzer Stoff, der in seiner Gesamtheit ein Band markiert, welches die gesamte Stadt umläuft.


Anders als zuvor ist auch die Stadtmitte besetzt. Verschiedene Symbole wurden in ausschließlicher weißer Farbe ineinandergeschoben, vielleicht des Guten etwas zu viel, denn das Formenkonglomerat lässt sich kaum entwirren. Es soll, laut Münch, ein Alpha und ein Omega sein, die übereinander gesetzt wurden und zusätzlich mit einem lateinischen Kreuz überzogen sind. Die Arme des Kreuzes reichen fast bis in die vier Ecken der Stadt. Die zahlreiche Häuser in der Mitte sind, dank besser ausgebildeter Dächer, deutlicher zu erkennen.
Selten zu sehen: die Rückseite eines Paraments:

Für die dritte Variante steht ein Beispiel aus der evangelischen Kirche St. Bartholomäus in Kirchensittenbach (Mittelfranken). Diese Variante ist geringfügig später Ende der 1970er Jahre entstanden. In Kirchensittenbach wurden sie 1997/98 aus Mainburg angekauft. Das wurde damals ermöglicht durch den Konfirmandenjahrgang, der in Kirchensittenbach wie auch anderswo in Franken die Finanzierung kleinerer Anschaffungen ermöglichte. In Kirchensittenbach wird das Altarparament gewöhnlich in der Passionszeit und am Buß- und Bettag aufgehängt, dann zusammen mit einem kleineren Kanzelparament. Dieses zeigt eine Auferstehungssonne mit den Worten „Der Herr ist nahe“.

Man muss jedoch Glück haben, den inzwischen konkurriert dieser Paramentsatz mit einem weiteren.
Wie in dem Beispiel aus Bamberg sind die Tore Jerusalems schräg angeordnet, auch die zwei Türme sind zu finden. Unterschiede betreffen vor allem die Farben und die Gestaltung der Stadtmitte. So sind die Tore hier nicht grau, sondern rosa. Durch eine dunkelblaue Rahmung treten sie plastisch stärker hervor. In der Mitte ist wieder das ineinander geschobene Alpha und Omega zu finden. Die Buchstaben sind aber, da das Kreuz weggelassen wurde und der Hintergrund eine stärker Tönung hat, wesentlich besser wahrzunehmen. Auch die umgebenden Bauten mit Fenster und Dächern sind auf dieser Fassung am besten zu erkennen – man kann sich hier gut das Ringen des Künstlers zwischen figürlicher Erkennbarkeit und abstrakter Tendenz vorstellen, was bei diesem Parament immer wieder neu eingelöst wurde.





