2028 Simeon Zidaru (1984-2007): Drei Mixedmedia-Arbeiten „Noul Ierusalim“ (um 2015)
Simeon Zidaru bleibt ein Unbekannter, außer seinem Namen und den Lebensdaten ist eigentlich kaum etwas bekannt. Er lebte von 1984 bis 2007, der Name deutet auf einen Rumänen hin, auch die Art der Werkpräsentation läßt auf einen Künstler mit einem rumänisch-orthodoxen Hintergrund schließen. 2017 gab es in Wien eine Ausstellung mit dem Titel „Hortus delicirarum“, in der es um die Wiederherstellung einer paradiesischen Atmosphäre ging. Viktoria Zidaru hat die Ausstellung zusammen mit Rodica Ioana Ghilea kuratiert, gewidmet war sie Simeon Zidaru.
Alle drei Werke tragen den rumänischen Namen „Noul Ierusalim“, also „Neues Jerusalem“. Dazu hat Simone Zidaru ein eigenes Logo entworfen, welches sich auf seinen Arbeiten finden lässt.

Die erste ist eine Tempera-Malerei, die anschließend mit Wachs überzogen wurde. Das Blatt hat eine Größe von 32 x 19 Zentimetern. Auf ihm hat der Künstler einen Seraphim in mittelalterlicher Manier aufgemalt. Anstatt des Kopfes wurde ein grüner Halbkreis gezogen, in dem das Jerusalemssymbol eingesetzt wurde. Dieses sieht wie folgt aus: Es sind vier Reihen von Bögen übereinander gesetzt, wobei die Zahl der Bögen nach oben verringert wird. Ganz oben bekrönt ein lateinisches Kreuz den Hügel, der an Golgatha ebenso wie an den Zionsberg erinnert. Handschriftlich überschrieben wurde es mit dem Titel des Wachswerks, „Noul Ierusalim“. Es scheint sich dabei um eine Serie gehandelt zu haben, mindestens zwei solcher Arbeiten sind bekannt geworden.

Simeon Zidaru war in erster Linie Grafiker. Diese Zeichnung zeigt das außerordentliche Talent dieses früh verstorbenen Künstlers. Auch hier findet man unten das Logo Zidarus, darunter den Titel „Noul Ierusalim“. Jerusalemskenner wissen sogleich, dass die Vorlage oder Inspiration dieser Grafik Enzo Pezzis Skulptur in Ravenna war (2000-2003). Damit wird auch der Aufbau klarer: Das Logo unten ist das Fundament des Baus, wie Golgatha die Voraussetzung der Auferstehung ist. Das gitterartige Netz ist der Turmschaft, es birgt die zahlreichen Wohnungen Gottes. Gott selbst ist in dem Symbol oben präsent, als Trinität mit dem Auge Gottes.

Die letzte Arbeit ist die außergewöhnlichste. Es handelt sich um ein hölzernes Kleeblattkreuz, welches mit zahlreichen Nägeln gespickt ist. Holz und Nägel wurden mit weißer Farbe überzogen, grob ausgeführt, so dass an manchen Stellen die Holzmaserung und das Metall durchscheint. Dadurch entsteht der Effekt, einen Jahrhunderte alten Gegenstand vor sich zu haben. Tatsächlich gibt es die Tradition, auf Schmuckkreuzen das Himmlische Jerusalem zu thematisieren, die älteste erhaltene Arbeit ist eine Monstranz des Mönches Bernés aus dem 14. Jahrhundert. Auch bei dem modernen Werk ist das Neue Jerusalem thematisiert, indem sein Name und das Logo des Künstlers auf den stumpfen Stil gemalt wurden. Das Kreuz wirkt weniger wie ein frommes Sakralkunstwerk, eher wie ein Instrument zum Austreiben von Dämonen oder Vampiren mit abschreckender Wirkung.



