Noel Lawrence: Illustrationen von „The Family International“ (1985)

Noel Lawrence aus Großbritannien gestaltete 1985 diese erste Zeichnung „God’s heavenly city on earth“ („Gottes himmlische Stadt auf der Erde“). Sie wurde Plakat der amerikanischen Missionsgesellschaft und Lebensgemeinschaft „The Family International“ in den USA vertrieben und vor allem dadurch bekannt. Es ist eine der ersten „offizielle“ Darstellungen einer religiösen Gesellschaft, die das Himmlische Jerusalem als goldgelbe Pyramide zeigt, wie sie auf den Planeten Erde herabgekommen ist – ein Thema, das überaus beliebt werden sollte; vgl. die Darstellung von „Seminars Unlimited“, das Wandbild von Reinhard Zimmermann (1987), die Malerei von Lars Justinen (1994) oder Joanna Cieslinska (2014). Die anderen Himmelsgestirne im Hintergrund und vor allem die Dreiecksform des Neuen Jerusalem verraten den esoterischen Gehalt dieser Zeichnung Lawrences, der damit die Bedürfnisse seiner Generation getroffen hatte. Vor allem ist das „esoterische Jerusalem“ nicht ein außerweltliches Heilsereignis in der Zukunft, sondern das Himmlische Jerusalem transformiert die Welt wie auch den Menschen der Gegenwart.

Drei weitere Zeichnungen (um 1985), die das Neue Jerusalem zum Thema haben, stammen ebenfalls von Noel Lawrence. Sie sind in der gleichen Zeit entstanden und bilden zusammen eine kleine Serie. Sie zeigen die Stadt in einer naiven, kindlichen Vorstellungswelt: Man ruht in einem Sessel, holt sich ein Buch aus dem Regal oder hört Musik. Vor und in einem transparenten Palast verlustieren sich jugendliche Schönheiten, Menschen fliegen engelsgleich oder zumindest wie Schmetterlinge durch die Lüfte.

Die folgende Illustration zeigt die gleiche Stadt- oder Hausanlage von der Seite. Thema ist hier der Jungbrunnen, der alle Menschen in bestem Alter erscheinen lässt. Auch ist niemand allein, und falls doch, so findet sich schnell ein Tier ein, ob Hund, Katze oder Papagei. Originell oder vielleicht auch etwas kitschig ist links ein rotes Herz, das als Freiluftskulptur im Vorgarten steht. Rechts findet man eine kristalline Pyramide als Hinweis auf die Proportionen des Himmlischen Jerusalem, die vor allem im Text zu dieser Illustration eine Rolle spielen.

Zuletzt wird uns noch ein Blick in das Wohnzimmer des Neuen Jerusalem gewährt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Links bringt eine Dame (alkoholfreie?) Cocktails, rechts winkt eine barbusige Dame freudig-erregt zwei Lichtwesen, die gerade am Fenster vorbeifliegen. Innen sitzen ein Dutzend Personen zusammen, eine hält demonstrativ einen Becher in die Höhe, die Assoziation an das Abendmahl liegt nahe. Alle Anwesenden, vor allem die Frauen mit ihren langen Haaren, Blumenkränzen und weißen Gewändern erinnern etwas an einen Neo-Jugendstil. In der Mitte der Szenerie erscheint eine gewaltige Kristallkugel. In dieser erscheint zweierlei: Ein androgynes Wesen schmiegt sich an einen Löwen – eine Darstellung des ewigen Tierfriedens. Darunter hebt ein Mann eine Frau ins Wasser – eine Darstellung einer Taufe, die im Himmlischen Jerusalem jedoch genauso unnötig ist wie das Abendmahl, aber hier von Lawrence mehr im Sinne einer Freizeitbeschäftigung präsentiert wird.

Noel Lawrence sah, wie erwähnt, das Himmlische Jerusalem überwiegend in pyramidaler Form. Die Zeichnung „Heavenly City“, entstanden um 1985, sollte später anonym vor allem im Internet bekannt werden. Eine goldgelbe Pyramide strahlt in alle Himmelsrichtungen aus. Sie scheint gerade zu landen, doch nicht auf der Erde, sondern, wie auf Englisch zu lesen ist, auf der neuen Schöpfung.

Eine andere Arbeit von Lawrence (um 1985) zeigt die Himmelsstadt ebenfalls ansatzweise als Pyramide. Die Grundrisslinie des Fundaments markieren farbige Streifen der Edelsteine, in den Ecken sind Perlen positioniert. Im Inneren befinden sich allerlei esoterisch-alchimistisch anmutende Bauten, wie Silos, Karussells und Fantasieobjekte, die etwas an die dritte Illustration von „Seminars Unlimited“ erinnern. In oder vor der Pyramide fliegen auch hier wieder einige der für Lawrence typischen engelhaften Elfenwesen.

 

tags: USA, Fantasie, Pyramide
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