
„AmbientSpace“, so sein Pseudonym, malte im Jahr 1988 „New Jerusalem“ in Acryl als gewaltigen Lichtdom, damals zusammen entstanden mit den Werken „Nasa Fantasy“ und „Rapture“. Hinter dem Pseudonym arbeitet der kanadische Künstler Alain Desrochers (geb. 1970) aus Sherbrooke in Quebec. Dort ist er Professor am Lehrstuhl für Aluminium-Design.
„New Jerusalem“ überrascht durch neue Sichtweisen und Perspektiven auf das Jahrtausend alte Thema. Im Gegensatz zu vielen Illustrationen und Malereien aus Amerika, die oftmals figürlich-traditionelle Sichtweisen reproduzieren (gelbe Mauern, Jesus auf einer Paradieswiese, fliegende Engelchen) wird hier Neuland beschritten. Im unteren Bereich ist eine unberührte, mäandernde Flusslandschaft eingearbeitet, von der vorne Nebel aufsteigt. Dieser Lebensfluss entspringt in weiter Ferne, dessen Quelle mit einem rotgelben Punkt markiert ist. Zwei Drittel des gesamten Bildes ist von dem eigentlichen Thema eingenommen, dem Neuen oder dem Himmlischen Jerusalem. Lediglich ganz oben sind links und rechts Reste des Himmels zu sehen. Die kosmische Erscheinung dazwischen steigt als Lichtdom in Form einer gewaltigen Pyramide an, die aus zahlreichen niedergehenden Kometen oder Sternschnuppen zu bestehen scheint. Einzelheiten sind hinter den opaken Schichten verborgen. Die Wahl der Pyramide ist kein Zufall, sie reiht sich ein in eine ganze Reihe weiterer Arbeiten, die Stadt jetzt nicht mehr als Quadrat, sondern als Pyramide zeigen; vgl. die Darstellung von „Seminars Unlimited“, die Arbeiten von Noel Lawrence (1985), das Wandbild von Reinhard Zimmermann (1987), die Malerei von Lars Justinen (1994) oder Joanna Cieslinska (2014).
Es gibt auch ein kurzes Statement des Künstlers zu seinem Werk, das etwas über den religiösen Hintergrund informiert: „Das neue Jerusalem im Buch der Offenbarung. Es ist der Ort, an dem alle Menschen, die an Jesus Christus, den Sohn Gottes, glauben, für die Ewigkeit wieder vereint werden“.
Claus Bernet, Alan L. Nothnagle: Christliche Kunst aus den USA, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 32).