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Unbekannter spanischer Meister „Mystica Ciudad“ (um 1680)

Es handelt sich im Folgenden um ein Ölgemälde im Format 100 x 80 Zentimeter aus einer Privatsammlung in Madrid. Auf dem Gemälde wird links die Nonne María de Jesús de Ágreda (1602-1665) an ihrem Schreibtsch gezeigt. Ihr Blick richtet sich nach hinten zur der Erscheinung in ihrem Zimmer: Gott Vater über den Wolken segnet dort eine Marienfigur. Diese schwebt inmitten des Neuen Jerusalem. Unten gehören vollständigkeitshalber noch ein Drachen und ein Wappen der Familie Coronel, aus der María de Jesús de Ágreda, stammte, zu dem Bildaufbau.
Immerhin kennen wir das zeichnerische Vorbild dieser Ölmalerei: Es handelt sich um einen Kupferstich von Pedro de Villafranca y Malagón (circa 1615-1684), welcher erstmals 1668 erschien. Es gibt mehrere spätere Varianten, und sogar eine deutschsprachige Fassung unter dem Titel „Geistliche Stadt Gottes“ von 1768. Damit gehört das Ölgemälde zu dem Bildtypus, den man als „Mystica Ciudad“ bezeichnet und es muss 1768 oder danach entstanden sein. Da solche Kopien meist bereits nach einer Generation außer Mode waren, darf man eine Entstehungszeit von etwa um 1680 vermuten.
Im Gegensatz zu den bekannten Kupferstichen ist die Malerei einfacher gehalten. So ist die gesamte Stadt in einen einheitlich violetten Ton getaucht, auf ein buntes Edelsteinfundament wurde verzichtet. Die offenen Tore lassen erkennen, das sie mit einem Wächterengel besetzt sind. In der Stadt lassen sich keine Bauten unterscheiden, da die Häuser mit breiten Pinselstrichen lediglich markiert wurden. Da sie eine weiße Farbe haben, entsteht der (ungewollte?) Eindruck eines Friedhofs mit weißen Grabsteinen. Die geraden Wege erinnern jetzt an die Einteilung in verschiedene Grabfelder. Wo man Christus in der Stadtmitte vermutet, schwebt Maria auf einer Mondsichel. Von ihr, nicht von der Stadt, geht hier das göttliche Licht aus.
Obwohl in letzter Zeit sogar zwei Fachaufsätze allein zu diesem einen Ölgemälde erschienen, welche die motivischen Vorbilder und den vermutlich jüdischen Hintergrund der Nonne beleuchten, bleiben die wichtigsten Fragen zu diesem Bild ungeklärt: in welcher Sammlung konkret befindet sich dieses Gemälde? Nur wenn dies beantwortet ist, können andere Wissenschaftler ihre Forschungen fortsetzen und die historische Authentizität dieses Werkes prüfen – es bedarf einer Erklärung, weshalb ein so spezielles Gemälde quasi im Geheimen die Jahrhunderte überdauerte. Auch die Frage, welcher Maler es angefertigt hat, bleibt unbeantwortet ebenso wie die Frage nach dem Auftraggeber oder Auftraggebern. Für beides kommt sowohl ein spanischer wie aber auch ein neuspanischer Hintergrund in Frage. Kurz: die Erforschung muss weiter gehen.

Patricia Andrés González: Iconografía de la venerable María de Jesús de Ágre-da, in: Boletín del Seminario de Estudios de Arte y Arqueología, 62, 1996, S. 447-464.
Ricardo Fernández Gracia: Iconografía de sor María de Agreda. Imágenes para la mística y la escritora en el contexto del maravillosismo del Barroco, Pamplona, Comité organizador del IV Centenario del nacimiento de sor María Jesús de Ágreda, 2003.
Benito Rodríguez Arbeteta: Una iconografía desconocida de la Venerable sor María de Jesús de Ágreda (I). La pintura y la iconología, in: Hipogrifo Revista de literatura y cultural del Siglo de Oro, 10, 1, 2022, S. 125-145.
Letizia Arbeteta Mira: Una iconografía desconocida de sor María de Jesús de Ágreda (II): corona de la familia Coronel, in: Hipogrifo Revista de literatura y cultural del Siglo de Oro, 10, 2022, S. 107-124.

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