1668, Mystica Ciudad, Pedro de Villafranca y Malagón © Spanische Nationalbibliothek, Madrid

Pedro de Villafranca y Malagón (circa 1615-1684): Mystica Ciudad de Dios (ab 1668)

Die Schrift „Mystica Ciudad de Dios“ („Die mystische Stadt Gottes“) erschien 1670 erstmals dreibändig in Madrid. Die Verfasserin des Buches, María de Jesús de Ágreda (1602-1665) war eine Visionärin, und Äbtissin des Franziskanerinnenkonvents in der spanischen Ortschaft Ágreda. Der Band war in Spanien und Neuspanien ein großer Erfolg und traf anscheinend genau die Frömmigkeitsbedürfnisse der Zeit. Es gab gegen Ende des 17. Jahrhunderts mehrere Nachdrucke, von denen einige auch Illustrationen des Neuen Jerusalem beinhalten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde „Mystica Ciudad“ auch in Ölmalereien vertrieben. Es entstand ein eigenständiger Bildtyp, den man sofort als „Mystica Ciudad“ erkennt.
Auf dem Kupferstich des Frontispiz’ der 1670er-Ausgabe, welcher schon 1668 angefertigt wurde, ist das Himmlische Jerusalem deutlich an die Konzeption „Vitam Aeternam“ aus der Zeit um 1590 angelehnt. Es ist ein Entwurf des Meisters Pedro de Villafranca y Malagón (circa 1615-1684) aus Madrid, der von dem Stecher Martin umgesetzt wurde. Die Konzeption war denkbar einfach wie überzeugend: Maria ist hier nicht von ihren Symbolen umgeben, sondern steht auf einer Mondsichel mitten in der Stadt Gottes. Im oberen himmlischen Bereich wird sie von Putti assistiert, im unteren Bereich beobachten Ordensleute die Himmelserscheinung.

 

   Mystica Ciudad (1680)

Bald jedoch schon wurde die Konzeption etwas geändert, erstmals in der Ausgabe zehn Jahre später, also 1680. Diese Ausgabe wurde in Lissabon bei Miguel Manescal gedruckt. Vor allem die Stadt auf dem Frontispiz interessiert uns hier: sie ist nicht mehr aus der Vogelperspektive als Quadrat gestaltet, sondern man sieht frontal auf ihre Außenmauern. An den beiden Seiten kragen die Mauern nach vorne, wie man es von zeitgenössischen Befestigungsanlagen kennt. An diesen Bastionen ist links und rechts ein reichlich verziertes Renaissance-Portal angebracht, mit dem zurückgesetzten Portal in der Mitte sind es an der Frontseite drei Zugänge. Bemerkenswert sind die vielgestaltigen Bauten hinter der Stadtmauer, wo auch der letzte freie Platz mit einem Dach oder einer Kuppel ausgefüllt wurde. Über der Stadt findet sich nach wie vor eine Marienfigur auf der Mondsichel. Es ist aber eher eine androgyne Figur, die ebenso gut Christus sein könnte. Welcher Künstler dies Veränderungen vorgenommen hat, ob es vielleicht Pedro de Villafranca y Malagón selbst war, ist nicht bekannt.

 

    Mystica Ciudad (1684)

Ein weiteres Beispiel ist die 1684 ebenfalls in Portugal erschienene Neuausgabe der „Mystica Ciudad“. Der Titel dieser Ausgabe lautet: „Mystica ciudad de Dios, milagro de su omnipotencia, y abismo de la gracia, historica dicvina, y vida de la Virgen Madre de Dios“. Die Ausgabe wurde in Lissabon gedruckt, wieder bei dem Verleger Miguel Manescal. Die Himmelsstadt ist auch hier, wie bei der Fassung von 1680, in den oberen Bereich des Blattes gelegt. Die Grundkonzeption ist übernommen worden, aber es handelt sich um eine völlig neue Druckplatte. Neu sind auch die Zackenstrahlen der Gloriole um Maria, dann auch die lockigen Haare und natürlich auch die neue Kartusche, in welche unten der Buchtitel eingefasst ist.

 

      Mystica Ciudad (1694)

Zehn Jahre darauf folgte eine weitere Auflage, deren Frontispiz neu gestochen wurde, sich aber im Detail eng an die frühere Auflage von 1680 hält. Nur für ein äußerst erfolgreiches Werk lohnte es sich, kurz hintereinander drei neue Frontispize anfertigen zu lassen. Diese anonyme Fassung findet sich in einem Band, der 1694 bei Ivan Jolis in Barcelona erschienen ist.

 

                      Villalpando (um 1700)

Die Erfolgsgeschichte von „Mystica Ciudad“ setzte sich im 18. Jahrhundert fort, jetzt gibt es auch Ölmalereien, die aber die Stadt wieder wie in der Urfassung von 1668 in Quadratform zeigen. So kennen wir zwei Fassungen von Cristóbal de Villalpando (1649-1714), der die Konzeption barockisierte. Aus seiner Werkstatt kommt eine Malerei in Öl, die mit „Villalpando f.“ signiert ist. Villalpando präsentiert uns eine äußerst vielgestaltige Gottesstadt, zwischen die zwölf Tore schieben sich noch zwölf Rundtürme. In jedem der Tore, die alle offen stehen, hält ein Engel Wache. Dank der Perspektive kann man im Stadtinneren zahlreiche Bauten ausmachen, die sich zu vier großen Stadtvierteln zusammenfügen. Das 175 x 110 cm große Ölgemälde, entstanden um 1700, befand sich lange Zeit in Madrid (Alcalá Subastas) und wurde erst 2013 von dem Auktionshaus Christie’s versteigert.

 

              Villalpando (um 1706)

Bekannter ist aber eine jüngere Fassung von Cristóbal de Villalpando. Dieses farbige Ölgemälde aus dem Jahr 1706 wurde anlässlich der Approbation des Klosters Guadalupe in Spanien angefertigt und befindet sich heute im dortigen Regionalmuseum. Mit Maßen von 189 x 114 cm ist es geringfügig größer als das Gemälde zuvor. Auch hier zieht die vielgestaltige Stadtanlage die Aufmerksamkeit auf sich, in der sich einzelne Wohnbauten wie sogar einzelne Edelsteine unterscheiden lassen.

Juana Gutiérrez Haces, Pedro Ángeles, Clara Bargellini, Rogelio Ruiz Gomar: Christóbal de Villalpando, ca. 1649-1714, Mexiko-Stadt 1997.
Antonio Rubial García: Civitas Dei et novus orbis. La Jerusalen celeste en la pintura de nueva Espana, in: Anales del Instituto de Investigaciones Estéticas, 20, 72, 1998, S. 5-37.

 

tags: Spanien, Mystik, Portugal, Gegenreformation, Kupferstich, Ölmalerei, Vitam Aeternam, Franziskaner, Cristóbal de Villalpando, Auktion
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