Wilhelm Braun (1906-1986): Maria vom Frieden in Homburg (1956)

Die römisch-katholischen Pfarrkirche Maria vom Frieden in Homburg im Saarland wurde zwischen 1954 und 1956 erbaut. Zum Abschluss wurden 1956 die Glasfenster als Oberlichter des Kirchenschiffs in fünf Meter Höhe eingebaut. Es waren Glasarbeiten von Wilhelm Braun mit acht verschiedenen Motiven der Lauretanischen Litanei in buntfarbigem Antikglas mit Bleiverglasung. Wilhelm Braun (1906-1986) war ein Kunstmaler, der in München studiert hatte und dort sein Atelier führte. Sein Schwerpunkt war vor allem die künstlerische Ausgestaltung neuer Sakralbauten nach dem Zweiten Weltkrieg, neben Bauten in Bayern auch solche im Saarland und in Rheinland Pfalz.
Das zweite Fenster rechts vom Eingang zeigt die Pforte des Himmels. Genaugenommen sind drei Pforten versammelt, die eng bei einander stehen und sich zum Teil überdecken. Es sind einfache Rundtore ohne weiteren Schmuck oder kleinteiligen Details, die man der Entfernung wegen ohnehin kaum hätte sehen können, zumal das Kirchenschiff aufgrund unzureichender Beleuchtung meist in ein Dämmerlicht getaucht ist. Die Zahl drei ist kein Zufall, sondern man kennt dies auch von anderen Werken, etwa auf der Deckengestaltung von San Marcello al Corso in Rom (1605) oder auf einem barocken neuspanischen Gemälde der Maria Immaculata von etwa 1710. In Homburg scheint eine der Pforten (links) geöffnet, die übrigen beiden noch verschlossen. Sie sind aus roten wie blauen Scheiben gesetzt, den traditionellen Farben Mariens. Die Scheiben des Hintergrunds sind in verschiedenen Blautönen gehalten. Neben horizontalen Bändern sieht man links auch Wogen oder Wellen, die die Form der Pforten erneut aufnehmen. Irritierend sind zwei vertikale schwarze Linien, die auch die anderen Glaswerke Brauns in dieser Kirche durchkreuzen.

Pfarramt Maria vom Frieden (Hrsg.): Pfarrführer Maria vom Frieden, Homburg, Homburg 1965.
Lothar Willius: Evangelische und katholische Kirchenzentren. Gedanken zum kirchlichen Bauen der letzten Jahre, in: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft, 23, 1970, S. 305-378.

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tags: Lauretanische Litanei, Himmelspforte, Saarland, Nachkriegskunst
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