Fresko in Santa Giustina in Sezzadio (1433)

Nach gut drei Jahrzehnten konnte im Jahr 1433 die Apsisausmalung der Abteikirche Santa Giustina in der Gemeinde Sezzadio (Piemont) beendet werden. Das großformatige Fresko wurde durch Erdbeben aber auch durch Verwahrlosung in den letzten Jahrhunderten stark beschädigt, teilweise gänzlich verloren. Ausgerechnet das Himmlischen Jerusalem an der linken Seite im Bereich des Halbkuppelansatzes direkt über dem Hauptaltar hat sich relativ gut erhalten. Es ist eine malerische, manieristische Präsentation Jerusalems als schlanker Turm mit zwei parallelen Eingängen als schmale, hohe Rundbögen. Den Raum des gewaltigen Tores zur linken Seite füllt eine Petrusfigur aus, welche die kleinen Menschlein aufnimmt und zu der schmaleren, rechten Seite einlässt. Zahlreichen Spielereien wie Fähnchen oder Wappen (darunter immer wieder das der Herrschaft Piemont) kennzeichnen diesen Turm als typische Malerei des ausgehenden Mittelalters. Links neben dem Turm sind auf mehreren Bildfeldern Heilige dargestellt. Diese Bildfelder sind wie Etagen angeordnet und erinnern etwas an Arkaden russischer Ikonen. Ganz unten grenzt die Stadtmauer den heiligen Raum ab, ganz oben überragen die Heiligen sogar leicht die Turmspitze. Auf der gegenüber liegenden Seite finden sich keine Bildfelder, sondern oben eine Gruppe nackter Geretteter, darunter weitere Menschen, die gerade aus den Gräbern entsteigen und das Jüngste Gericht noch vor sich haben.

Emanuela Daffra: Gli affreschi dell’abside maggiore dell’abbazia di Santa Giustina a Sezzadio, in: Arte lombarda, 73/75, 2/4, 1985, S. 17-30.
Emanuela Daffra: Iconografia di un ciclo poco noto. L‘ abside maggiore di Santa Giustina a Sezzadio, in: Rivista di storia, arte, archeologia per le provincie di Alessandria e Asti / Società di Storia, Arte e Archeologia per le Provincie di Alessandria e Asti, 94/95, 1985/86, 1986, S. 91-100.

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tags: Turmjerusalem, Piemont, Italien, Spätmittelalter, Petrus, Quattrocento
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