
„Porta Coeli“ ist dieses Glasfenster unten auf Latein beschrieben auf einem goldimitierenden Schriftband, unter dem Objekt in einem Medaillon, umzogen von Ranken, Blumen und Blüten. In dem Medaillon findet sich eine Darstellung der Himmelspforte als spätmittelalterlicher, massiver, hexagonaler Torturm. Fenster sowie die geschlossene Eingangstür sind im gotischen Stil gehalten.
In der Art der kompakten Darstellung ist der Turm etwas übertrieben, ähnelt eher einem steinernen Tabernakel. Aber kleinere Türme in dieser Art der Darstellung hat es im 15. und 16. Jahrhundert durchaus gegeben, vorzugsweise in Flandern und Burgund. Auch in der Darstellung als Relief gibt es Beispiele, etwa in Semur-en-Auxois oder in Nogent-sur-Seine.

Direkt neben der Pforte wurde der „Sitz der Weisheit“, der Sedes Sapientiae, in ein ähnliches Medaillon gefasst. Beide Motive stehen eigentlich in keiner Verbindung, sondern sind eben zufällig in der Lauretanischen Litanei genannt, werden aber in künstlerischen Werken selten zusammen gezeigt. Hier hat der Glasmaler beide Objekte in der Form und Staffelung aneinander angepasst, auch der Thron wirkt gedrungen-kompakt und nähert sich einem Bauwerk an – dadurch entsteht ein eigentümlicher Gleichklang und eine harmonische Annäherung dieser beiden unterschiedlichen Mariensymbole.
Der Zugang zu dieser Festung, die eigentlich eher an eine Darstellung der Civitas Dei als an eine Himmelspforte denken lässt, ist ein Meisterwerk des französischen Historismus um 1870/80. Nachdem bis zu dieser Zeit die Pforte in Frankreich als Triumphbogen präsentiert wurde, kommen nun vermehrt neoromanische wie neogotische Darstellungen auf. Leider kennen wir weder den Glaskünstler noch die Glasmanufaktur dieser Arbeit. Es muss sich um die gleiche Werkstatt wie die Fenster hinter den Altären und der Orgel handeln, die zum Teil verdeckt sind, aber keine weiteren Motive der Lauretanischen Litanei zeigen, sondern biblische Szenen und Heiligenfiguren. Vorbild sollen die Glasfenster aus der Kapelle der Cordeliers aus Angoulême gewesen sein. Das betreffende Glasfenster ist unten auf das Jahr 1875 datiert. Gestiftet wurde das Fenster von der Familie Chaminade aus der kleinen Gemeinde Excideuil (Dordogne, Region Nouvelle-Aquitaine) für die römisch-katholische Pfarrkirche Saint-Thomas. Diese gehörte ursprünglich zu einem Benediktinerkloster aus dem 15. Jahrhundert. Von 1865 bis 1875 wurde der Bau umfassend erneuert. Bei diesem Anlass wurden als Abschluss der Arbeiten auch neue Fenster mit den Symbolen der Lauretanischen Litanei im Schiff der Kirche feierlich eingesetzt (dieses auf der rechten Seite vom Eingang aus gesehen, erste Fensterreihe).

Jean de Beaugourdon, Jean Paul Laurent: Excideuil. Visite et restitution du château, promenade dans la ville, histoire de la chatellenie et de ses seigneurs, Excideuil 1954.



